Mehr Mut zu einer engagierten Klimawende. Appell der Arbeitsgruppe „Klimabildung Salzburg“

Seit vielen Jahren warnt die Klimaforschung vor dem Folgen des Klimawandels. Das in Paris vereinbarte 1,5 Grad-Ziel erreichen wir nur, wenn alle Staaten viel deutlichere Anstrengungen für die Klimawende tätigen, als dies bis jetzt der Fall ist. Aufgabe von Bildung ist nicht, Politik zu machen. Das müssen die gewählten Politiker und Politikerinnen tun. Es ist auch nicht Aufgabe der Bildung, Druck auf die Politik auszuüben, energischere Schritte zu setzen. Das machen die Klimabewegungen wie Fridays for Future oder das Klimavolksbegehren mittlerweile sehr gut.

Bildung kann und muss aber dazu beitragen, für die ökosystemische Herausforderung der Klimakrise mit ihren möglichen Kipppunkten zu sensibilisieren (Ökosystemische Bildung). Bildung hat die Aufgabe, über nachhaltige Lebensstile zu informieren, ökologische Werte zu vermitteln und so zu neuen ökologischen Verhaltensweisen („Ökoroutinen“) beizutragen. Über die Förderung der individuellen (Mit)-Gestaltungskompetenz für eine nachhaltige Gesellschaft hinaus hat Bildung aber auch die Aufgabe, gemeinsam zu reflektieren, wie wir als Gesellschaft insgesamt die Klimawende schaffen (Frage: Wann lernen Gesellschaften?), wo die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Hürden liegen – und wo die Gelingensfaktoren für die Wende. Klimabildung ist in diesem Sinne wesentlich auch Politische Bildung.

Die Arbeitsgruppe „Klimabildung Salzburg“, bestehend aus dem Klimabündnis Salzburg, der Klima- und Energiemodellregion Salzburger Seenland, der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, dem Salzburger Bildungswerk und den Scientists for Futur Salzburg, hat Angebote für die Erwachsenenbildung zusammengestellt. Vorträge, Workshops oder Videos können und sollen von den Salzburger Gemeinden gebucht werden. Zudem gibt es Unterstützung beim Aufbau lokaler Klimagruppen. So leisten wir unseren Beitrag.

Als Bildungsanbieter verwehren wir uns aber dagegen, wenn der Bildung die Verantwortung für die Klimawende zugeschoben wird – nach dem Motto „Die Bildung wird es schon richten“. Der Verweis auf mehr Bildungsanstrengungen darf nicht dazu führen, die entsprechenden politischen Veränderungsschritte hintanzustellen. Bildung darf nicht zum Alibi für Nicht-Handeln werden. Strukturen der Nicht-Nachhaltigkeit müssen überwunden, Strukturen der Nachhaltigkeit aufgebaut werden.

Es gibt in unserem Bundesland Salzburg – neben den erwähnten Bildungseinrichtungen – auch eine Stabstelle für Klimaschutz und Nachhaltigkeit und einige Landesprogramme und -projekte, sowie Förderungen, die ambitioniert in Richtung Klimawende arbeiten, Daten und Fakten aufbereiten und ebenfalls Bewusstseinsbildung leisten, bzw. beteiligen. Neben all diesen Verwaltungseinrichtungen und Initiativen braucht es an erster Stelle eine mutige Politik, die bereit ist die großen Hebel zu bedienen.

In diesem Sinne appellieren wir an die Politik – auch im Land Salzburg – noch mutigere Schritte für eine engagierte Klimapolitik zu setzen. Auf Bundesebene schließen wir uns den Forderungen der Klimaforschung oder des Klimavolksbegehrens nach einem Abbau aller klimaschädlichen Subventionen sowie die Einführung einer wirksamen CO2-Steuer an.
Die Zeit drängt!

Erstunterzeichnde: Brigitte Drabeck (Klimabündnis Salzburg), Hans Holzinger (Robert-Jungk-Bibliothek), Lara Leik (Scientists for Future Salzburg), Christa Wieland, Alex Glas (Salzburger Bildungswerk)

Falls Sie den Appell mitunterzeichnen wollen und in Salzburg wohnen bzw. tätig sind, freuen wir uns über eine Mail (Bitte Name und gegebenenfalls Organisation angeben).

Autor: Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, zuletzt erschienen: "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Attac, Gemeinwohlökonomie,Global Marshall Plan Initiative, Südwind, Amnesty International.

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