Wirtschaft und Nachhaltigkeit in österreichischen SchulbĂŒchern. Eine aktuelle Studie


(Salzburg, 18.3.2026) Wie wird Wirtschaft im Kontext aktueller sozialer Herausforderungen und angesichts planetarer, ökologischer Grenzen in österreichischen SchulbĂŒchern dargestellt? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsaspekte  wie die Klima- oder BiodiversitĂ€tskrise? Diesen und weiteren Fragen geht der Wirtschaftsgeograph und Transformationsforscher Hans Holzinger in einer aktuellen Studie nach. Die von ihm untersuchten Themenfelder in den SchulbĂŒchern reichen von der Darstellung von BedĂŒrfnissen und dem Ziel von Wirtschaften ĂŒber die Messung von Wohlstand und LebensqualitĂ€t bis hin zu den Herausforderungen durch ökologische Krisen und die zunehmende soziale Spaltung. Auch Themen wie das Wirtschaftswachstum und dessen Grenzen, die Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, die Beschreibung der Wirtschaftssektoren, die Rolle der FinanzmĂ€rkte sowie Fragen der Ungleichheit und Entwicklung werden behandelt. Insgesamt hat der Autor 32 Begriffe untersucht. AusfĂŒhrlicher Pressetext

Einige Ergebnisse in KĂŒrze

Nachhaltigkeit ist Thema, aber nur bedingt am aktuellen Stand der Ökosystemforschung

Die EinschĂ€tzung des Studienautors: „Alle SchulbĂŒcher thematisieren ökologische Herausforderungen. Sie gehen ein auf Nutzungskonflikte, die Überbeanspruchung von Ökosystemen, die Degradation von Böden oder die Verknappung von WasservorrĂ€ten. Auch Landgrabbing wird problematisiert. Die AusfĂŒhrlichkeit und QualitĂ€t der Darstellung variieren jedoch stark – nicht alle SchulbĂŒcher referieren den aktuellen Stand der Ökosystem- und Klimaforschung.“ 

Einer der Kritikpunkte von Holzinger: „Die SchulbĂŒcher gehen auf das Konzept der Nachhaltigkeitbzw. TragfĂ€higkeit des Planeten ein, das Problem des zu ressourcenintensiven Konsum- und Lebensstils in den wohlhabenden LĂ€ndern wird aber nur bedingt angesprochen. In manchen SchulbĂŒchern wird ‚der Mensch‘ als Ursache fĂŒr Nicht-Nachhaltigkeit bezeichnet, nicht ‚der Mensch in den HochkonsumlĂ€ndern‘. Teilweise wird vor zu ‚radikalen Schritten‘ gewarnt.“

Die Klimakrise werde thematisiert, jedoch eher verhalten und ĂŒberwiegend nicht dem aktuellen Stand der Klimaforschung entsprechend. Formulierungen wie „Viele Expertinnen und Expertinnen gehen davon aus, dass 
“ oder das gleichgewichtige Nebeneinanderstellen von Risiken und Chancen durch die KlimaerwĂ€rmung wĂŒrden die Herausforderung verharmlosen: „So betont ein Schulbuch etwa, dass der Sommertourismus in Österreich zu den Gewinnern des Klimawandels zĂ€hle, weil es im mediterranen Raum zu heiß fĂŒr vertrĂ€glichen Tourismus werde.“

Die „ökosoziale Marktwirtschaft“ werde als „Sonderform“ der Marktwirtschaft bezeichnet, nicht als notwendige allgemein anzustrebende Zukunftsperspektive; ebenso wie nachhaltige Investments fĂŒr jene vorgestellt wĂŒrden, die ethisch investieren möchten. „Wenn die Nachhaltigkeitswende gelingen soll, sind jedoch alle Kapitalströme auf ökologisch zu trimmen.“ Die Notwendigkeit einer gĂ€nzlichen Verabschiedung von den fossilen EnergietrĂ€gern werde zu wenig betont, zum Teil sogar Peak Oil als Hauptproblem dargestellt, nicht der Ausstoß an Treibhausgasen. Der Umgang mit Ressourcen werde vor allem mit Recycling verbunden, eine Kreislaufwirtschaft mit langlebigen Produkten und Ökodesign kaum thematisiert, so weitere Kritikpunkte von Holzinger.

Zukunft der Arbeit und der erweiterte Arbeitsbegriff – Sozialstaat zwischen Errungenschaft und Nicht-mehr-Finanzierbarkeit

Im Bereich der Erwerbsarbeit werde auf viele Aspekte eingegangen – von BeschĂ€ftigungsformen ĂŒber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu Arbeit 4.0. ArbeitszeitverkĂŒrzungen und neue Arbeitszeitmodelle wĂŒrden jedoch nur bedingt angesprochen, kritisiert Holzinger: „Wirtschaftsbildung muss zukĂŒnftig stĂ€rker auf innovative Arbeitszeitmodelle eingehen, weil diese von jĂŒngeren Generationen gefordert werden. Die aktuelle Diskussion in Österreich ĂŒber ‚Lifestyle‘-Teilzeit allein legt eine konstruktive Auseinandersetzung nahe.“ 

In den AusfĂŒhrungen zur Sozialpolitik gibt es laut Holzinger zwei Stoßrichtungen: „Einige SchulbĂŒcher stellen die VorzĂŒge und Errungenschaften des Wohlfahrtstaates in den Mittelpunkt, andere dessen Nicht-Mehrfinanzierbarkeit sowie das Einfordern von mehr Eigenverantwortlichkeit, was etwa durch verschĂ€rfte Bedingungen fĂŒr Arbeitslose oder mehr Anreize zur Eigenvorsorge erwartet wird.“

Ungleichheit werde in den SchulbĂŒchern unterschiedlich behandelt, so Holzinger: „Manche betonen die Ungleichheit global oder zwischen Regionen, manche betonen eher die Ungleichheit bei den Einkommen, nur zum Teil wird jene bei den Vermögen problematisiert.“

Globalisierung und weltweiter Handel werden in den meisten BĂŒchern mit ihren Chancen und Problemen beschrieben, so Holzinger. „Genannt werden etwa billigere Produkte durch mehr Wettbewerb als Vorteil fĂŒr uns als Konsument*innen, die Verlagerung von ArbeitsplĂ€tzen in BilliglohnlĂ€nder als Nachteil, wobei die Gewichtung nach SchulbĂŒchern variiert. Das bestehende Welthandelssystem wird teilweise kritisiert, der Welthandel an sich aber nicht in Frage gestellt. Aus ökologischer Sicht muss Wirtschaftsbildung nicht nur ĂŒber einen ethischen oder fairen Welthandel reflektieren, sondern auch darĂŒber, wie viel Welthandel ĂŒberhaupt sinnvoll und nötig ist.“

Hans Holzinger: Wirtschaft – Umwelt – Klima – Soziales. Die Darstellung von Wirtschaft in Österreichs SchulbĂŒchern fĂŒr Geografie und wirtschaftlicher Bildung im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und planetarer Grenzen. Salzburg/Wien 2025. 280 Seiten. ISBN Softcover: 978-3-99192-213-1, ISBN E-Book: 978-3-99192-212-4

Mehr: www.hans-holzinger.org/wirtschaft-im-kontext-okologischer-und-sozialer-nachhaltigkeit-eine-analyse-osterreichischer-schulbuecher/  

Bestellung: www.buchschmiede.at/app/book/318119-Hans-Holzinger-Wirtschaft-Umwelt-Klima-Soziale

Zum Autor: Hans Holzinger ist Wirtschafts- und Sozialgeograph, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek fĂŒr Zukunftsfragen in Salzburg, Autor mehrerer BĂŒcher, zuletzt erschienen „Wirtschaftswende“ (oekom 2024).

RĂŒckfragen: Tel. 0043.699.11370178

Anhang: PortrÀtfoto (C) Carmen Bayer/JBZ, Cover der Studie

„Damit das Notwendige möglich wird“ – Vortrag der Klimaforscherin Prof. Helga Kromp-Kolb in Seekirchen

leofellinger.at

Am 27. Februar 2026 war die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb zu Gast in Seekirchen. Sie machte in ihrem Vortrag einmal mehr deutlich, wie gefĂ€hrlich die Klimakrise ist und dass wir gut beraten sind, diese ernster zu nehmen als wir es derzeit tun. Eingeladen hatten das Salzburger Bildungswerk Seekirchen, die e5-Gemeinden Köstendorf und Seekirchen sowie der Regionalverband Salzburger Seenland. Das Interesse an der Veranstaltung war riesig, die Kunstbox Seekirchen mit 190 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz gefĂŒllt.

Video vom Vortrag
Ein von Reinhard Geiger gestalteter Beitrag fĂŒr die Radiofabrik Salzburg wird am 9. April 2026 gesendet.

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News von S4F Salzburg: Offener Brief an die EU „Closing the Biodiversity Funding Gap“, Klimastatusbericht, Salzburger Friedenstagung u.a.

Liebe Scientists!

S4F Österreich hat einen offen Brrief an die EuropĂ€ische Kommission und die Mitgliedstaaten zu Closing the Biodiversity Funding Gap: A Scientific Call for Action in the Next EU Budget erstellt. Wer diesen unterzeichnen möchte, kann dies ĂŒber den Link tun. Danke!

Zur Info: Hitze- und Niederschlagsrekorde prĂ€gten das Jahr 2024 in Österreich. Der kĂŒrzlich erschienene Klimastatusbericht des Climate Change Center Austria, der Boku und der Geosphere Austria gibt einen detaillierten RĂŒckblick.

Studie auf der S4F-Homepage: FĂŒr umfassende Maßnahmen gegen die Erderhitzung gibt es weltweit RĂŒckhalt in der Bevölkerung. Eine vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK) mitverfasste Studie in der renommierten Fachzeitschrift Nature Human Behaviour geht der Akzeptanz-Frage jetzt wissenschaftlich auf den Grund.

Der nĂ€chste  Talk4Future am 18. Juni widmet sich diesmal dem Thema der Kinderrechte und Generationengerechtigkeit im Kontext des Klimaschutzes. Wie sind Kinderrechte gesetzlich verankert und welche Schutzmechanismen stehen Kindern und zukĂŒnftigen Generationen insbesondere in Österreich zur VerfĂŒgung?

Beim nĂ€chsten Vernetzungstreffen von Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsinitiativen am 11.6. ab 16 Uhr wird es u.a. einen Input zu Gelingende Klimakommunikation geben. Zudem wird der 1. Salzburger Aktionstag „Aufbruch – fĂŒr ein gutes Leben fĂŒr alle“ nachbesprochen. Die Einladung erfolgt durch den Fachbereich Klima und Nachhaltigkeit des Salzburger Bildungswerk.

In Salzburg hat sich vor kurzem eine neue Gruppe Religions for Future gegrĂŒndet. Das nĂ€chste Treffen findet heute, 12.6. 18.00-20.00 Uhr in der AndrĂ€kirche Salzburg statt.  Infos: Sr.Rita Höllwerth HSF, Sr.rita@halleiner-schwestern.net.

FĂŒr Kurzentschlossene: Die 7. Salzburger Friedenstagung vom 16.-18. 6. in St. Virgil ist dem Thema Raus aus der Erschöpfung gewidmet. Unter den Keyspeakern sind Hartmut Rosa, Katharina Mau und Helga Kromp-Kolb. Jens Blechert, Lara Leik und Hans Holzinger sind fĂŒr die S4F Salzburg auf Panels vertreten. Mehr und Anmeldung fim Link.

Wenn Nichtstun teuer wird: Forderungen der Forschung an die kĂŒnftige Regierung

In herausfordernden Situationen erstmal Inne zu halten, erscheint in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Im Falle der Klimakrise ist zögerliches Handeln allerdings nicht zu empfehlen und kann laut Forschung zudem teuer zu stehen kommen. Expert:innen aus Klima und Umweltpolitik rund um die kĂŒrzlich ernannte „Wissenschaftlerin des Jahres 2024“, Sigrid Stagl, haben sich daher Anfang der Woche mit einem offenen Brief an die kĂŒnftige Bundesregierung gewandt. Gefordert werden darin ein umfangreiches Innovationspaket sowie ein Bodenversiegelungs-Stopp.

„Aktiver transformativer Klimaschutz ist die ökonomisch gĂŒnstigste Strategie“,
 argumentieren die rund 300 Unterzeichner:innen aus unterschiedlichsten Fachbereichen und bieten der kĂŒnftigen Regierung ihre wissenschaftliche Expertise in der Erarbeitung und Umsetzung von effektiven Klimaschutzmaßnahmen an.

Den gesamten Brief kannst du unter dem Link nachlesen.

Und mittlerweile gibt es eine Unterschriftenaktion fĂŒr die Beibehaltung des Klimatickets.

BeitrĂ€ge zum Thema Krieg und Umweltzerstörung der AG „Klimakrise, MilitĂ€r, Konflikt“ von S4F Ă–sterreich

Über 2,4 Billionen Dollar werden mittlerweile laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI weltweit jĂ€hrlich fĂŒr militĂ€rische Zwecke ausgegebenen. Das ist eine eklatante Verschwendung von Mitteln, die wir fĂŒr die Lösung der großen Menschheitsprobleme wie Hunger oder Umweltkrisen brĂ€uchten. Hier einige BeitrĂ€ge zum Thema Krieg und Umweltzerstörung, die in der AG „Klimakrise, MilitĂ€r, Konflikt“ bei S4F Österreich ausgearbeitet wurden.

Blut und CO2 – Was der Krieg mit dem Klima macht: https://at.scientists4future.org/2021/12/09/blu…

Kernkraft, Atomwaffen und nuklearer Winter: https://at.scientists4future.org/2022/01/19/ker…

Klimafolgen eines Atomkriegs wĂŒrden den Hungertod fĂŒr zwei bis fĂŒnf Milliarden Menschen bedeuten: https://at.scientists4future.org/2022/08/20/kli…

Atombewaffnung steht im Widerspruch zu nachhaltiger Entwicklung: https://at.scientists4future.org/2022/06/17/ato…

Die militĂ€rische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit : https://at.scientists4future.org/2022/04/04/die…

Der CO2-Stiefelabdruck des MilitĂ€rs: 5,5 % der globalen Emissionen: https://at.scientists4future.org/2023/05/15/co2…

Die Klimakosten des Kriegs in Gaza und Israel: https://at.scientists4future.org/2024/01/18/die…

Klimawahlen.at bietet Entscheidungshilfe fĂŒr die Nationalratswahl am 29.9.

Mit Klimawahlen.at sehen WĂ€hler:innen, welche Parteien echte Klimapolitik voranbringen wollen. Die parteipolitisch unabhĂ€ngige Initiative der Zukunftsallianz sammelt vor jeder grĂ¶ĂŸeren Wahl die Positionen der antretenden Parteien zu diversen klimarelevanten Fragen und ordnet sie ein. Die Ergebnisse werden angezeigt, sobald die Antworten vorhanden sind. Eine EinschĂ€tzung erfolgt durch Scientists for Future.

Hier geht es zu den Fragen zur Nationalratswahl 2024.

Mit 1 Klick zu Klima und Nachhaltigkeit – so lautet das Projekt von „Unsere Klimapolitik“ fĂŒr Gemeinden

Rund sechs Monaten hat es gedauert, alle knapp 2.100 Webseiten der österreichischen Gemeinden nach Klima-Seiten zu durchforsten, berichtet Norbert Porsche-Ully von „Unsere Klimapolitik“. Dabei konnte er feststellen, dass zwar etliche Gemeinden diverse KlimaaktivitĂ€ten setzen oder bei Programmen wie e5, KEM oder KLAR! teilnehmen, aber auf ihrer Gemeinde-Homepage kaum bis gar nicht darĂŒber berichten.

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„Verschleppungstaktiken in der Klimapolitik“ – Aufschlussreiches Paper des neuen Klimainstituts „Kontext“ von Katharina Rogenhofer

„Der Werkzeugkoffer fĂŒr effektiven Klimaschutz liegt bereit. An welchen Stellschrauben gedreht werden muss, ist bekannt und die Dringlichkeit wird immer klarer. Trotzdem werden die notwendigen Entscheidungen hinausgezögert, wĂ€hrend sich die Lage verschĂ€rft. Kurz: Klimaschutz wird verschleppt. Die Taktiken, die dazu eingesetzt werden, sind vielseitig und oft schwer zu erkennen. Gemeinsam haben sie, dass sie vorhandene Unsicherheiten und berechtigte Sorgen verstĂ€rken und mit Desinformation vermischen. Um Handlungsspielraum im Klimaschutz zurĂŒckzugewinnen, gilt es, Verschleppungstaktiken zu erkennen und entkrĂ€ften.“

Ein spannendes Paper des neugegrĂŒndeten Klimainstituts „Kontext“ von Katharina Rogenhofer und KollegInnen gibt Auskunft darĂŒber, mit welchen Verschleppungstaktiken Klimapolitik verzögert wird und wie dagegen vorgegangen werden kann. Sehr wertvoll!

Verkehrs- und Klimawende in Salzburg –  Den Wahlversprechen mĂŒssen Taten folgen

Das Thema Klima- und Verkehrswende ist bei den wahlwerbenden Parteien der Stadt Salzburg angekommen. Diesen Eindruck konnte man bei einer Podiumsdiskussion der BĂŒrgerinitiative „Platz fĂŒr Salzburg“ kĂŒrzlich in der Arge Kultur gewinnen. Bis auf den Vertreter der FPÖ haben sich alle Spitzenkandidaten – Florian Kreibich (ÖVP), Bernhard Auinger (SPÖ), Anna Schiester (BĂŒrgerliste), Kay-Michael Dankl (KPÖ+), Lukas Rupsch (NEOS) und Christoph Ferch (Salz) fĂŒr eine Reduzierung des Autoverkehrs in der Stadt und eine Priorisierung des Öffentlichen, Rad- und FußgĂ€ngerverkehrs ausgesprochen. Der Bus soll ĂŒberall den Vorrang vor dem Auto bekommen. Überraschend war auch die Zustimmung aller, wiederum mit Ausnahme der FPÖ, zur Forderung, bis 2035 einen Radverkehrsanteil von mindestens 35 Prozent anzustreben –  aktuell sind es 22 Prozent –  und dafĂŒr ein Sonderbudget von 40 Millionen Euro zur VerfĂŒgung zu stellen. Auch die Neutorsperre fĂŒr Autos, eine Umlenkung der Reisebusse sowie die Einbindung der Bevölkerung bei Verkehrsplanungen wurden mehrheitlich begrĂŒĂŸt.

„Das Ergebnis und der Verlauf des Abends waren ĂŒberraschend positiv und konstruktiv“, konstatiert der Moderator und langjĂ€hrige Umweltjournalist Heinrich Breidenbach. Und weiter: „Ganz offensichtlich ist in die kommunale Politik durchgesickert, dass es so nicht weiter gehen kann und eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik in Richtung Umweltverbund unvermeidlich ist.“ Von der Zustimmung bei einer Diskussionsveranstaltung bis zur Umsetzung in die RealitĂ€t bleibe freilich ein weiter Weg. Der Anschub durch initiative BĂŒrger und BĂŒrgerinnen sei daher unabdingbar. Aber ein guter Anfang sei gemacht.

Ähnlich positiv war die EinschĂ€tzung der BĂŒrgerinitiative „Platz fĂŒr Salzburg“. Die Stadtpolitik habe eingesehen, dass ein Weiter-so wie bisher keine Option sei, so eine der Sprecherinnen Roswitha MĂŒller. „Die Bereitschaft sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen wurde betont und fußt auf einem Bewusstsein, dass eine Verkehrswende unabdingbar und schnell umgesetzt werden muss.“

Dass die Radwegeinfrastruktur weiter ausgebaut werden mĂŒsse, befĂŒrworteten auch in einer Umfrage der Radlobby Salzburg alle Parteien (von FPÖ und Salz gab es keine Antworten). Unterschiedlich fielen aber die Ausbauziele aus. WĂ€hrend die BĂŒrgerliste und die KPÖ+ einen Radverkehrsanteil von 30 Prozent bis 2029, dem Ende der nĂ€chsten Legislaturperiode, anstreben, nannte die ÖVP die bisher in der Radverkehrsstrategie festgelegten 24 Prozent als Minimalziel, die SPÖ 26 Prozent als machbar. Anders als in der öffentlichen Podiumsdiskussion waren hier die Aussagen zum Radbudget kontrovers. WĂ€hrend die ÖVP und die SPÖ die bisherigen zwei Millionen Euro pro Jahr fĂŒr ausreichend fanden, schlĂ€gt die KPÖ+ eine Verdoppelung, die BĂŒrgerliste eine Erhöhung auf fĂŒnf Millionen Euro vor. Die Neos legten sich bei beiden Fragen auf keine Zahl fest.

Klimaschutz ist Thema, aber unterschiedlich akzentuiert

Dass Klimaschutz bei den Parteien der Stadt Salzburg angekommen ist, aber unterschiedlich akzentuiert wird, zeigt auch eine Analyse der Wahlprogramme durch Scientists for Future Salzburg. Der Begriff „Klima“ kommt bei SPÖ und BĂŒrgerliste mit 38 bzw. 29 Nennungen am hĂ€ufigsten vor. Bei „Nachhaltig“ liegen ÖVP und BĂŒrgerliste voran – beide beziehen sich auf das Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2040. Schwerpunkt in allen Wahlprogrammen ist der Verkehr: Bei den Nennungen zum Öffentlichen Verkehr rangieren wieder SPÖ und  BĂŒrgerliste vorne. Das Rad kommt bei der BĂŒrgerliste am hĂ€ufigsten vor, gefolgt  von SPÖ und KPÖ+. Letztere ist Spitzenreiter beim Begriff „Leistbares Wohnen“. Von der FPÖ der Stadt Salzburg gibt es kein Wahlprogramm.

„Wie hĂ€ufig umwelt- und klimarelevante Begriffe genannt werden, lĂ€sst zwar noch keine qualitativen Aussagen zu, zeigt aber Akzentuierungen der einzelnen Parteien auf“, heißt es in der Analyse von Scientists for Future. AuffĂ€llig sei, dass die ebenfalls klimarelevanten Bereiche Energie, ErnĂ€hrung und Ressourcen sehr wenig angesprochen werden.  Im Bereich Erneuerbare Energie wird von der BĂŒrgerliste am aktivsten eine verstĂ€rkte Rolle der Stadt eingefordert.

Aufschlussreich sind die Argumentationsweisen fĂŒr Klimapolitik:  Die ÖVP setzt  v.a. auf neue Technologien und „Hausverstand“, „SelbstbeschrĂ€nkung und Selbstgeißelung“ werden abgelehnt. Betont wird das Miteinander aller VerkehrstrĂ€ger, auch Maßnahmen fĂŒr den Straßenverkehr wie der Autobahnanschluss Hagenau werden genannt. Bei der SPÖ und KPÖ+ wird Klimaschutz  insbesondere mit sozialer Gerechtigkeit und Verbesserung der Luft- und LebensqualitĂ€t in benachteiligten Stadtteilen verbunden.  Bei der BĂŒrgerliste trĂ€gt bereits das erste Kapitel den Begriff „klimafitte Stadt“ im Titel. Höhere LebensqualitĂ€t fĂŒr alle durch mehr Raum fĂŒr FußgĂ€nger, das Fahrrad und den Öffentlichen Verkehr stehen auch hier im Zentrum.  Bei den NEOS wird die Verkehrswende vor allem mit der Erhöhung der LebensqualitĂ€t und der Verringerung der Staus argumentiert.  Die Liste SALZ/Ferch lehnt – wie die SPÖ – den S-Link aufgrund zu hoher Kosten ab, alle anderen sind dafĂŒr – ein Streitpunkt könnten aber die oberirdischen Maßnahmen zur BeschrĂ€nkung des Autoverkehrs werden. Einig ist man sich weitgehend, dass beim Wohnen im Bereich Leerstandsaktivierung und Nachverdichtung mehr geschehen mĂŒsse, um knappe FlĂ€chen besser zu nutzen.

Die Verkehrs- und Klimawende in der Stadt Salzburg steht an – den Worten mĂŒssen Taten folgen

ResĂŒmee: Maßnahmen wie der Austausch der verbliebenen Ölheizungen sowie der Ausbau der Fotovoltaik und der ökologischen FernwĂ€rme sind wohl ebenso zu erreichen wie die Forcierung der WĂ€rmedĂ€mmung. Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung in der Stadt Salzburg – zusammenhĂ€ngend mit dem ganzen Zentralraum – liegt beim Verkehr. Ohne drastische Maßnahmen, den Individualverkehr von der Straße auf den ÖV- und Radverkehrsanteil zu bringen, wird es nicht möglich sein, KlimaneutralitĂ€t zu erreichen. Stau lĂ€sst sich am besten lösen, indem weniger Autos unterwegs sind. Begriffe wie das „Fließen des Verkehrs“ sowie ein „gleichberechtigtes Nebeneinander aller VerkehrstrĂ€ger“ lassen ĂŒbersehen, dass die ZurĂŒckdrĂ€ngung des Autos in der Stadt nur mit einer Neuverteilung des knappen Raums zugunsten von Öffentlichem, Rad- und FußgĂ€ngerverkehr möglich ist.

Eine Gefahr der Verschleppung von Maßnahmen liegt in zwar ambitionierten, aber fĂŒr die Politik weit entfernten Klimazielen. „Klimaziele sind als Richtschnur fĂŒr die Transformation notwendig. Konsequenterweise mĂŒssen solche Ziele von konkreten Maßnahmen, etwa einem Umbau des rechtlich-regulatorischen Rahmens und der Steuern und Abgaben, begleitet werden“, so Katharina Rogenhofer vom neugegrĂŒndeten Klimainstitut „Kontext“. Oft wĂŒrden jedoch gerade diese verbindlichen Maßnahmen verschleppt oder unverbindliche Ziele als Ausweichargument verwendet. Auch vergangene Erfolge wĂŒrden manchmal vorgeschoben, um keine weiteren Maßnahmen setzen zu mĂŒssen. Dass die Stadt Salzburg KlimaneutralitĂ€t 2040 anpeile, dĂŒrfe nicht zum Aufschieben von Maßnahmen fĂŒhren, so daher eine Warnung von Scientists for Future: „Klimapolitik darf nicht nebenbei passieren, sondern muss ins Zentrum der politischen Entscheidungen rĂŒcken. Ebenso wichtig wĂ€re eine Evaluierung der Politik der letzten Jahre sowie die permanente und kritische Begleitung der Maßnahmen der neuen Regierung. Denn: Den Wahlversprechen mĂŒssen Taten folgen.“