Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Bildungswerkleiter in Seekirchen, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, Auswahl Bücher: "Wirtschaftswende" (2024), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Scientists for Future, Attac, Gemeinwohlökonomie, , Südwind, Amnesty International.
Zum zweiten Mal fanden heuer auf Initiative des Arbeitskreises „Klima und Nachhaltigkeit“ des Salzburger Bildungswerks die Salzburger Aktionstage „Aufbruch! Für ein gutes Leben für alle“ statt. 20 Veranstaltungen zu vielfältigen Themen in unterschiedlichen Formaten mit 1300 Teilnehmenden gab es vom 22.-26. April 2026. Weitere sieben Veranstaltungen fanden im Vorprogramm mit knapp 500 Teilnehmenden statt, allein 300 davon waren bei zwei Vorträgen der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb mit dabei.
Die behandelten Themen reichten von der Bedeutung der Artenvielfalt für Salzburg, einem wirksamen Klimaschutz sowie einer intakten Qualität unserer Böden über eine Energie- und Mobilitätswende bis hin zur Bedeutung von sozialem Engagement. Neben Vorträgen und Workshops bereicherten Exkursionen, Aktionen im Öffentlichen Raum sowie eine Fahrraddemo das vielfältige Programm. Fotobericht auf Youtube
Im Folgenden findet ihr Kurzberichte, Fotos und vertiefende Links.
(Salzburg) Die Fridays, Grandparents, Religions und Scientists for Future machten am Samstag, den 25. April 2026, mit einer gemeinsamen Aktion am Alten Markt in der Salzburger Altstadt auf eine wirksamere Klimapolitik aufmerksam. „Geopolitische Verwerfungen, insbesondere die Kriege gegen die Ukraine und den Iran, haben ökologische Fragen wie die Klimakrise in den Hintergrund gedrängt. Doch nur weil man über ein Thema weniger oder nicht mehr spricht, ist das Problem nicht vom Tisch. Eine wirksame Klimapolitik ist dringender denn je – dies zeigen alle Ergebnisse der Klimaforschung“, so der Koordinator der Aktion Hans Holzinger.
Um fünf vor zwölf Uhr wurden alle Teilnehmenden aufgerufen, ihre Handywecker einzuschalten, denn es sei höchste Zeit für eine wirksame Klimapolitik. Danach folgten Statements von Vertretern und Vertreterinnen der einzelnen Gruppen, in denen auf die einzelnen Stationen der Aktion Bezug genommen wurde.
Musikalische Beiträge gab es von der „Country-Gospel-Band“ der evangelisch-methodistischen Kirche Salzburg. Peter Gucher von den Grandparents hat ein Video zur Aktion erstellt.
Verbundenheit mit allen Geschöpfen und der Natur
Die Religions for Future knüpften ein Netz für Schöpfungsverantwortung, um auf die Verbundenheit mit allen Geschöpfen und der Natur hinzuweisen, wie Sr. Maria Unterluggauer erklärte. Im Statement von Pfarrerin Barbara Wiedermann der evangelischen Kirche hieß es dazu: „Heute sind wir hier, um zu sagen: Lasst uns in guter Weise für das Klima eintreten. Lasst uns unseren eigenen Teil beitragen, um diese Welt zu schützen. Und wir sind hier, um zu sagen: wir fordern die Politik auf deutliche Maßnahmen zu setzen, um unser Klima, unsere Natur, unsere Mitgeschöpfe zu schützen.“
Dorothee Büürma aus dem Kernteam der Religions for Future Salzburg zitierte aus der Grundsatzerklärung der Initiative: „Das Ökosystem Erde hat einen einzigartigen Wert. Es ist nicht allein für uns Menschen da, sondern dient allen Lebewesen als gemeinsamer Lebensraum. Wir Menschen sind mit den anderen Lebewesen verbunden, können ohne sie nicht leben und werden durch das Leben mit ihnen bereichert. Wir sind von der Natur abhängig und als ein Teil in sie eingebunden.“ Aus diesem Grund vermitteln unsere religiösen Traditionen wichtige Haltungen im Umgang mit der Natur, so Büürma weiter: „Dankbarkeit und Achtsamkeit, Bescheidenheit und Gerechtigkeit, Demut und Geschwisterlichkeit. Wir sehen jeden Menschen verpflichtet, im Einklang mit der Natur zu leben und ein treuer Haushalter oder eine treue Haushalterin für das gemeinsame Haus der Erde zu sein – in Verantwortung für künftige Generationen.“
Die Religions for Future rufen die führenden Personen in den Religionen auf, sich in Wort und Tat mit aller Kraft für den Erhalt der Erde einzusetzen. „Von den Verantwortlichen in der Politik erwarten wir den längst überfälligen Strukturwandel hin zu einer ökosozialen Politik und Wirtschaftsordnung. Alle Menschen bitten wir, einen achtsamen Umgang mit der Natur zu pflegen, auch wenn dieser persönliche Einschränkungen bedeutet“, so Büürma abschließend.
Martin Eisenbraun, Pfarrer em. der altkatholischen Kirche in Salzburg, verwies auf unser aller persönlicher Verantwortung: „Es liegt auf der Hand, wenn wir Verantwortung für die Schöpfung übernehmen, dass wir, jeder und jede, selbst etwas tun. Beginnen wir damit, selbst Energie zu sparen, indem wir verantwortungsbewusst unsere Reisen planen und im alltäglichen Leben vom Heizen über das Duschen bis zum Streamen von Filmen sparsam sind. Wir können uns stark machen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und den Einsatz von erneuerbarer Energie. Ein Aufstehen gegen Atomkraftwerke und gegen alle, die die Klimakrise verharmlosen, versteht sich von selbst.“
Kurt Krammer von der Buddhistischen Gemeinschaft verwies ebenfalls auf das Verbundensein mit allem: „Der Egoist meint, wenn ich andere ignoriere oder sogar schädige, nützt das mir. Die buddhistische Lehre, die vom Prinzip des abhängigen Entstehens ausgeht, führt uns aber zu folgender Erkenntnis: wenn ich mir schade, schade ich damit anderen, wenn ich anderen schade, schade ich damit mir selbst! Diese Erkenntnis würde niemandem schaden. Aber für diejenigen, die bereits zu dieser Erkenntnis vorgedrungen sind, gilt es, sich zusammenzuschließen, Erkenntnis zu verbreiten und ins Handeln zu kommen.“
Forderung nach einem Klimaschutzgesetz
Die Grandparents for Future luden dazu ein, die Vornamen eigener Kinder und Enkelkinder auf Stoffbahnen zu schreiben. Eine Aktion, die österreichweit durchgeführt wird mit dem Ziel, dem nächst das Parlament in Wien für ein Klimaschutzgesetz umspannen zu können.
Roswitha Gucher von den Grandparents for Future zu ihrer Aktion: „Wir stehen heute hier, weil uns etwas verbindet, das stärker ist als jede politische Debatte: die Liebe zu unseren Kindern und Enkelkindern. Wir stehen hier, weil wir Verantwortung tragen — und weil wir wissen, dass die Zeit drängt. Wir fordern ein Klimaschutzgesetz, das nachhaltig ist, wirksam, und vor allem: enkeltauglich. Denn unsere Kinder und Enkel sollen eine Heimat erben, in der der Klimawandel nicht außer Kontrolle geraten ist. Eine Welt, in der sie leben können, ohne Angst vor immer heftigeren Hitzewellen, ohne die Sorge vor Dürre, Ernteausfällen, Überflutungen oder dem steigenden Meeresspiegel.“
„Unsere Kinder haben ein Recht auf eine sichere Zukunft. Ein RECHT auf Schutz. Ein Recht darauf, dass wir heute handeln. Darum sagen wir an die Politik gerichtet: „Bedenkt bei jedem Gesetz, welche Folgen es für die Zukunft unserer Enkel hat“, so Gucher weiter.
Ein aufgestellter Generationen-Stuhl der Gradparents for Future steht symbolisch für einen Sitz im Parlament — für die Stimme der kommenden Generation, eine Stimme, die selbst noch nicht sprechen kann, aber gehört werden muss.
Pflanzliche Nahrung als Beitrag zu Klima- und Tierschutz
Die Fridays for Future regten mit mitgebrachten rein pflanzlichen Speisen zur Diskussion über eine Ernährung an, die Klima- und Tierschutz verbindet. „In Österreich werden jedes Jahr rund 117 Mio. Tiere geschlachtet. Das sind mehr als 13 Tausend Tiere pro Stunde“, so die Sprecherin der Gruppe. „Laut dem deutschen Umweltbundesamt reduziert man die eigenen Emissionen um rund 40 Prozent, wenn man sich pflanzlich ernährt“, machte die Vertreterin der Fridays for Future-Gruppe Salzburg in ihrem Statement deutlich, in dem sie auf die Hürden, aber auch die Chancen geänderter Ernährungsgewohnheiten einging: „Wenn wir kollektiv unser Essverhalten ändern, kann sich innerhalb weniger Jahre einiges tun. Regenwald kann aufgeforstet werden und die Artenvielfalt kann sich verbessern. Unsere Moore, die CO2 binden und die wir für Äcker und Weiden zweckentfremdet haben, können wieder aufgewässert werden.“
Offener Brief der Scientists for Future an die Landesregierung
Die Scientists for Future informierten über ihre Klima-Forderungen an das Land Salzburg anlässlich eines Rechnungshofberichts, der deutlich mehr Klima-Anstrengungen einfordert. Sie unterstrichen dies mit einem Riesenbanner, das die globale Erwärmung in den letzten hundertfünfzig Jahren aufzeigt.
Jens Blechert, Sprecher der Scientists for Future: „Ein Bericht des Salzburger Landesrechnungshofs besagt, dass das Ziel des Landes Salzburg, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 zu reduzieren, mit den bisherigen Maßnahmen nicht erreichbar zu sein scheint. In einem offenen Brief an LHF Karoline Edtstadler und LHStv. Marlene Svazek verlangten nun 80 Salzburger Mitglieder der Scientists for Future Auskunft darüber, welche Maßnahmen die Salzburger Landesregierung setzen wird, um die im Masterplan Klima+Energie 2030 auch rechtlich verbindlich vereinbarten Ziele zu erreichen. Die Antwort steht noch aus.“ Angesichts der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Krisenregionen plädierte Blechert dafür, die Energie- und Mobilitätswende deutlich schneller voranzubringen.
Die Aktion war als Teil der Salzburger Aktionstage „Aufbruch! Für ein gutes leben für alle“ ein gelebtes Zeichen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft für mehr Druck auf die Politik, wirksame Maßnahmen für Klimaschutz zu setzen. Sie war auch ein Zeichen der Verbundenheit mit der Natur und allen Mitgeschöpfen.
Zum zweiten Mal finden heuer auf Initiative des Arbeitskreises „Klima und Nachhaltigkeit“ des Salzburger Bildungswerks die Salzburger Aktionstage „Aufbruch! Für ein gutes Leben für alle“ statt. 24 Veranstaltungen zu vielfältigen Themen mit vielfältigen Formaten. Wir laden herzlich zur Teilnahme und Teilen des Programms ein!
Beim VCÖ-Mobilitätspreis, Österreichs größtem Wettbewerb für umweltverträgliche Mobilität und nachhaltigen Gütertransport, werden Projekte zu aktiver Mobilität in einer eigenen Kategorie ausgezeichnet. Gesucht sind Maßnahmen, die es der Bevölkerung ermöglichen bzw. erleichtern, Alltagswege gesund und umweltverträglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Immerhin ist jede 10. Autofahrt in Gehdistanz, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Projekte, wie die Verbesserung der Infrastruktur zum Gehen und Radfahren, Bewusstseinsaktionen oder kommunale Konzepte zur Förderung bewegungsaktiver Mobilität können beim VCÖ-Mobilitätspreis eingereicht werden ebenso Projekte, die insbesondere die aktive Mobilität für ältere Menschen oder mobilitätseingeschränkte Personen sicherer und leichter zugänglich machen.
Der renommierte VCÖ-Mobilitätspreis Österreich wird in Kooperation mit dem Mobilitätsministerium und den ÖBB durchgeführt. Wir laden Sie ein, Ihr Projekt noch bis 27. Mai 2026 einzureichen!
Warum radeln wir? Weil Radfahren gesund ist, fit hält, keine Abgase verursacht und Freude macht. Radeln bedeutet Bewegung, Begegnung und ein Stück Lebensqualität. Mit dieser gemeinsamen Radtour machen wir auf die Bedeutung des Radfahrens im Alltag aufmerksam. Angelehnt an die Idee der Critical Mass rücken wir die Bedürfnisse von Radfahrer:innen in den Fokus und regen dazu an, öffentlichen Raum und Verkehrswege neu zu denken – auch im ländlichen Raum. Die rund 5 km lange Route führt durch Zell am See. Im Anschluss laden gratis Getränke, Infotische und Musik von Happy Hoagascht (Stefan Schipflinger) zum gemütlichen Ausklang ein.
Fahrräder, Freunde und Klingeln nicht vergessen – wir wollen sichtbar und hörbar sein! Das Angebot wird durch das EU DEAR Projekt Rural Voices 2030 finanziell gefördert.
24. April 2026 15.00 Uhr – Radtour & Konzert Radeln für morgen – Radeln für einen gesunden Boden und gesunde Menschen! Start 15:00: Treffpunkt Bahnhof Zell am See 16:30: Get-Together mit Konzert von „Happy Hoagascht“ im Stadtpark beim Beach Club. Ende der Veranstaltung: ca. 18:00 Veranstalter: Klimamodellregionen Pinzgau, Südwind Entwicklungspolitik Salzburg. Foto: Critical Mass Salzburg
Gerne weisen wir auf das nächste SOL-Symposium hin, das vom 19.-20 Juni 2026 im Bildungszentrum St. Bernhard in Wiener Neustadt stattfindet. Es referieren Judith Derndorfer, Ökonomin und arbeitet als Referentin für Verteilungsfragen und Feministischer Ökonomie in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik der AK, Ilona Otto, Professorin für Gesellschaftliche Auswirkungen des Klimawandels am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz, Aaron Sterniczky, Professor an der Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Potsdam, sowie Hans Holzinger, Wirtschafts- und Sozialgeograph, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Autor mehrerer Bücher, zuletzt „Von nichts zu viel, für alle genug“, „Wirtschaftswende“. Zudem gibt es spannende Workshops und Gespräche.
Wer glaubt, die Gegend um die beiden Salzachseen in Liefering sei langweilig, der irrt. Freilich braucht’s schon ein wenig Zeit und Geduld – und den Blick fürs Kleine. Sachkundige Unterstützung ist da sehr hilfreich, denn wer kennt schon die Grauschwarze Sklavenameise oder raffinierte Kuckucksbienen? Artenspezialist und Biologe Wolfgang Schruf kennt sie alle und kann zu den meisten Arten spannende Details erzählen. Am Ende werden alle staunen, was sich nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt Salzburg alles entdecken lässt, wenn man es einmal gesehen hat. Und es gibt immer etwas zu entdecken, selbst im Herbst und im Winter. Interessant sind auch medizinisch oder kulinarisch verwertbare Pflanzen und Pilze wie etwa der Schwefelporling.
17. April 2026 18.30 Uhr – Salzburg Vortrag & Buchpräsentation: Auf Entdeckungsreise in die Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt des Salzachseegebietes Referent: Dipl.-Päd. Wolfgang Schruf Ort: Salzburger Bildungswerk, Strubergasse 18 Veranstalter: Naturschutzbund Salzburg, Salzburger Bildungswerk. Anmeldung im Link oder telefonisch unter 0650.4129962 Freier Eintritt.
Mit dem „Tag des Zu-Fuß-Gehens“ rückt Österreich eine zentrale Form der Mobilität in den Fokus: das Gehen. Einmal im Jahr dreht sich alles um diese Fortbewegungsart, die nicht nur die umweltfreundlichste, sondern auch die gesündeste und inklusivste ist.
Ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder in der Freizeit – jeder Schritt zählt. Der Aktionstag am 27. April lädt dazu ein, das eigene Mobilitätsverhalten zu reflektieren, neue Wege zu entdecken und gemeinsam ein Zeichen für lebenswerte Gemeinden und Städte zu setzen.
Mit Initiativen wie der österreichweiten Schritte-Challenge und dem 2. Österreichischen Fußverkehrsgipfel wird gezeigt, wie einfach es sein kann, Bewegung in den Alltag zu integrieren und gleichzeitig Klima und Gesundheit zu stärken.
(Salzburg, 18.3.2026) Wie wird Wirtschaft im Kontext aktueller sozialer Herausforderungen und angesichts planetarer, ökologischer Grenzen in österreichischen Schulbüchern dargestellt? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsaspekte wie die Klima- oder Biodiversitätskrise? Diesen und weiteren Fragen geht der Wirtschaftsgeograph und Transformationsforscher Hans Holzinger in einer aktuellen Studie nach. Die von ihm untersuchten Themenfelder in den Schulbüchern reichen von der Darstellung von Bedürfnissen und dem Ziel von Wirtschaften über die Messung von Wohlstand und Lebensqualität bis hin zu den Herausforderungen durch ökologische Krisen und die zunehmende soziale Spaltung. Auch Themen wie das Wirtschaftswachstum und dessen Grenzen, die Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, die Beschreibung der Wirtschaftssektoren, die Rolle der Finanzmärkte sowie Fragen der Ungleichheit und Entwicklung werden behandelt. Insgesamt hat der Autor 32 Begriffe untersucht. Ausführlicher Pressetext
Einige Ergebnisse in Kürze
Nachhaltigkeit ist Thema, aber nur bedingt am aktuellen Stand der Ökosystemforschung
Die Einschätzung des Studienautors: „Alle Schulbücher thematisieren ökologische Herausforderungen. Sie gehen ein auf Nutzungskonflikte, die Überbeanspruchung von Ökosystemen, die Degradation von Böden oder die Verknappung von Wasservorräten. Auch Landgrabbing wird problematisiert. Die Ausführlichkeit und Qualität der Darstellung variieren jedoch stark – nicht alle Schulbücher referieren den aktuellen Stand der Ökosystem- und Klimaforschung.“
Einer der Kritikpunkte von Holzinger: „Die Schulbücher gehen auf das Konzept der Nachhaltigkeitbzw. Tragfähigkeit des Planeten ein, das Problem des zu ressourcenintensiven Konsum- und Lebensstils in den wohlhabenden Ländern wird aber nur bedingt angesprochen. In manchen Schulbüchern wird ‚der Mensch‘ als Ursache für Nicht-Nachhaltigkeit bezeichnet, nicht ‚der Mensch in den Hochkonsumländern‘. Teilweise wird vor zu ‚radikalen Schritten‘ gewarnt.“
Die Klimakrise werde thematisiert, jedoch eher verhalten und überwiegend nicht dem aktuellen Stand der Klimaforschung entsprechend. Formulierungen wie „Viele Expertinnen und Expertinnen gehen davon aus, dass …“ oder das gleichgewichtige Nebeneinanderstellen von Risiken und Chancen durch die Klimaerwärmung würden die Herausforderung verharmlosen: „So betont ein Schulbuch etwa, dass der Sommertourismus in Österreich zu den Gewinnern des Klimawandels zähle, weil es im mediterranen Raum zu heiß für verträglichen Tourismus werde.“
Die „ökosoziale Marktwirtschaft“ werde als „Sonderform“ der Marktwirtschaft bezeichnet, nicht als notwendige allgemein anzustrebende Zukunftsperspektive; ebenso wie nachhaltige Investments für jene vorgestellt würden, die ethisch investieren möchten. „Wenn die Nachhaltigkeitswende gelingen soll, sind jedoch alle Kapitalströme auf ökologisch zu trimmen.“ Die Notwendigkeit einer gänzlichen Verabschiedung von den fossilen Energieträgern werde zu wenig betont, zum Teil sogar Peak Oil als Hauptproblem dargestellt, nicht der Ausstoß an Treibhausgasen. Der Umgang mit Ressourcen werde vor allem mit Recycling verbunden, eine Kreislaufwirtschaft mit langlebigen Produkten und Ökodesign kaum thematisiert, so weitere Kritikpunkte von Holzinger.
Zukunft der Arbeit und der erweiterte Arbeitsbegriff – Sozialstaat zwischen Errungenschaft und Nicht-mehr-Finanzierbarkeit
Im Bereich der Erwerbsarbeit werde auf viele Aspekte eingegangen – von Beschäftigungsformen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu Arbeit 4.0. Arbeitszeitverkürzungen und neue Arbeitszeitmodelle würden jedoch nur bedingt angesprochen, kritisiert Holzinger: „Wirtschaftsbildung muss zukünftig stärker auf innovative Arbeitszeitmodelle eingehen, weil diese von jüngeren Generationen gefordert werden. Die aktuelle Diskussion in Österreich über ‚Lifestyle‘-Teilzeit allein legt eine konstruktive Auseinandersetzung nahe.“
In den Ausführungen zur Sozialpolitik gibt es laut Holzinger zwei Stoßrichtungen: „Einige Schulbücher stellen die Vorzüge und Errungenschaften des Wohlfahrtstaates in den Mittelpunkt, andere dessen Nicht-Mehrfinanzierbarkeit sowie das Einfordern von mehr Eigenverantwortlichkeit, was etwa durch verschärfte Bedingungen für Arbeitslose oder mehr Anreize zur Eigenvorsorge erwartet wird.“
Ungleichheit werde in den Schulbüchern unterschiedlich behandelt, so Holzinger: „Manche betonen die Ungleichheit global oder zwischen Regionen, manche betonen eher die Ungleichheit bei den Einkommen, nur zum Teil wird jene bei den Vermögen problematisiert.“
Globalisierung und weltweiter Handel werden in den meisten Büchern mit ihren Chancen und Problemen beschrieben, so Holzinger. „Genannt werden etwa billigere Produkte durch mehr Wettbewerb als Vorteil für uns als Konsument*innen, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer als Nachteil, wobei die Gewichtung nach Schulbüchern variiert. Das bestehende Welthandelssystem wird teilweise kritisiert, der Welthandel an sich aber nicht in Frage gestellt. Aus ökologischer Sicht muss Wirtschaftsbildung nicht nur über einen ethischen oder fairen Welthandel reflektieren, sondern auch darüber, wie viel Welthandel überhaupt sinnvoll und nötig ist.“
Hans Holzinger: Wirtschaft – Umwelt – Klima – Soziales. Die Darstellung von Wirtschaft in Österreichs Schulbüchern für Geografie und wirtschaftlicher Bildung im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und planetarer Grenzen. Salzburg/Wien 2025. 280 Seiten. ISBN Softcover: 978-3-99192-213-1, ISBN E-Book: 978-3-99192-212-4
Zum Autor: Hans Holzinger ist Wirtschafts- und Sozialgeograph, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschienen „Wirtschaftswende“ (oekom 2024).
Rückfragen: Tel. 0043.699.11370178
Anhang: Porträtfoto (C) Carmen Bayer/JBZ, Cover der Studie
(Salzburg, 17.3.2026) Der Bericht des Salzburger Landesrechnungshofs mit dem Titel „Klimaschutz und Klimawandelanpassung des Landes Salzburg“ kommt im Juli 2025 zu einem zentralen Befund: „Das Ziel des Landes Salzburg, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 50 % gegenüber dem Jahr 2005 zu reduzieren, scheint mit den bisherigen Maßnahmen nicht erreichbar zu sein“ (S. 4). Darüber hinaus hält der Bericht fest, dass zur Halbzeit des Masterplan Klima+Energie 2030 „für knapp die Hälfte der erwünschten Einsparungen bei den Treibhausgasemissionen noch nicht einmal Maßnahmen erarbeitet wurden“ (S. 34). Schließlich wird betont, dass „die Erreichung ohne zusätzliche und wirksamere Maßnahmen unwahrscheinlich [scheint]“ (S. 85).
80 Mitglieder der Scientists for Future Salzburg verlangen in einem offenen Brief an LHF Karoline Edtstadler und LHStv. Marlene Svazeknun Auskunft darüber, „welche Maßnahmen die Salzburger Landesregierung für die Jahre 2026 und 2027 plant, um die Emissionen bis 2030 nachvollziehbar auf 2.158 kt CO₂-Äquivalent zu senken, wie im Masterplan Klima+Energie 2030 auch rechtlich verbindlich vereinbart.“ Dies gelte insbesondere für die Bereiche, die den größten Beitrag zur Zielerreichung leisten müssen: Verkehr (u.a. Elektromobilitätsstrategie), Gebäude (Ölkesseltausch) sowie die „Differenz/Lücke” bzw. „sonstige Potenziale”, die im Masterplan Klima+Energie 2030 ausgewiesen sind, aber bis heute nicht explizit operationalisiert wurden.
„Als Scientists for Future möchten wir erneut betonen, wie wichtig es ist, wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Der Alpenraum ist in besonderem Maße vom Klimawandel betroffen„, heißt es im Brief. Und weiter: „Zudem gilt es, die ökonomischen Chancen post-fossilen Wirtschaftens in unserem Bundesland proaktiv zu ergreifen und dadurch auch einen Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit zu leisten. Wir vertrauen darauf, dass die Salzburger Landesregierung heute Entscheidungen trifft, die genau das ermöglichen.“
Die aktuellen geopolitischen Konflikte machen einmal mehr deutlich, dass wir von den fossilen Energien loskommen müssen. Eine neue Studie des Alpenvereins über den „Zerfall“ der Gletscher in Österreich ist ein weiteres Signal für die Notwendigkeit einer konsequenten Klimawende.
Die Initiatoren im Namen von 80 Wissenschaftler:innen Univ.Prof. Dr. Jens Blechert, Sprecher der S4F Salzburg Mag. Hans Holzinger, Koordinator der S4F Salzburg Dr. Markus Gastinger, Politikwissenschaftler Dr. Martin Loidl, Mobilitätsforscher