Im Interview (Lokalteil der SN vom 14.8.) erklärt die Landeshauptfrau: „Was uns in Salzburg aber gelingen muss, sind die Klimaneutralität und ein verminderter CO2-Ausstoß“. Diese Aussage – spät aber doch getätigt – ist erfreulich.
Zur Erinnerung: Bereits seit vielen Jahren hat Salzburg eine Klima- und Energiestrategie („Salzburg2050 klimaneutral.energieautonom.nachhaltig“), 2021 wurde der zweite Umsetzungsplan (Masterplan Klima+Energie 2030) von der Landesregierung beschlossen. Der Zielpfad des Masterplanes ist mit vielen Maßnahmen (jeweils mit quantifizierter Reduktionswirkung) hinterlegt. Während sich Salzburg im Bereich Erneuerbare Energien und Energiewende grosso modo (abgesehen von der Windkraft, aber diese wurde von der Landeshauptfrau im Interview positiv adressiert) auf gutem Weg befindet, hinkt es bei der Erfüllung der Treibhausgasziele weit hinterher.
Die Ziele sind beschlossen, die Maßnahmen liegen auf dem Tisch, die zuständigen Abteilungen verfügen über hervorragende Expertise und nun artikuliert die Landeshauptfrau (endlich) auch ihren politischen Willen. Vielleicht gelingt es der Landeshauptfrau sogar, den zuständigen Bundesminister aus seinen klimapolitischen Hitzeferien zu holen, denn Salzburg allein kann die Klimaneutralität nicht herbeiführen. Zur Erinnerung: die Bundesregierung bekennt sich zur Klimaneutralität bereits 2040 ohne auch nur im Entferntesten erkennen zu lassen, wie diese erreicht werden soll; Stichwort: fehlendes Klimaschutzgesetz. Es gibt also keinen Grund (mehr), die Dinge in Salzburg nicht sofort in Angriff zu nehmen. Keinen Grund, aber vielleicht ein Hindernis: die für Klimaschutz zuständige Landeshauptfraustellvertreterin?
Ein wesentlicher Aspekt blieb im Interview – möglicher Weise der Kürze des Formates geschuldet – unangesprochen: die notwendige Anpassung an die mittlerweile unvermeidbaren Folgen des Klimawandels, vom Hitzeschutz bis zum Hochwasserschutz, von den nötigen Umstellungen in der Land- und Forstwirtschaft hin zu medizinischen Fragen und sozialen Auswirkungen muss mit ebensolcher Dringlichkeit wie der Klimaschutz vorangetrieben werden. Nochmals zur Erinnerung: auch dafür hat das Land Salzburg eine „Salzburger Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“. Auch dort sind viele Maßnahmen im Detail beschrieben, die allermeisten (und wirksamsten) harren allerdings noch ihrer Umsetzung. Auch hier gilt: es gibt keinen Grund, allenfalls ein Hindernis (siehe oben), nicht sofort mit der Umsetzung zu beginnen.
Nebenbei: Dass beide Strategien aufgrund neuer Erkenntnisse und Herausforderungen (zB in Hinblick auf Wasserknappheit, lange Dürreperioden, sich stark verändernde Rahmenbedingungen für die Wasserkraft, Strombedarf der KI uvm) weiterentwickelt und entsprechende Maßnahmen formuliert werden müssen, ist den Expert*innen der Abteilungen sicher bewusst und sollte bei entsprechendem Willen rasch in politische Entscheidungen münden können.
Dr. Gunter Sperka
Mitglied im Fachkollegium der Scientists for Future Österreich, 5026 Salzburg