Mit dem Klima kann man nicht verhandeln

Stellungnahme von Scientists for Future Salzburg, 10. August 2026

Aufgrund der anhaltenden Dürre, der überhitzen Städte, dem Ausbleiben von Regen ist die Klimakrise auch medial wieder präsent. Vertreter und Vertreterinnen der Klimaforschung betonen in Interviews, dass der heurige Sommer kein Ausreißer sein wird, sondern zum neuen Normal werden wird.

Die Notwendigkeit nicht nur von Klimawandelanpassungen, sondern auch einer wirksameren Politik zur Vermeidung von Treibhausen ist evident. Die Schwierigkeit liegt jedoch in der Vermittlung, so der Psychologe und Sprecher von Scientists for Future Salzburg Jens Blechert:

„Niemand will heiße Sommer und Sturzfluten oder ausfallende Ernten in der Landwirtschaft. Was fehlt, ist die Selbstwirksamkeitserwartung: selbst wenn wir in Österreich sofort unseren CO2-Ausstoß auf Null reduzieren, wird sich erst einmal am Verlauf der Klimakrise nichts spürbar ändern.“

Notwendig sei daher die Nennung von zusätzlichen Vorteilen einer wirksamen Klimapolitik: „mittelfristige Kosteneinsparungen durch Energieautonomie, weniger Lärm und bessere Luftqualität durch weniger Autos, Aufwertung von Immobilien an Hauptverkehrsachsen, gesundheitliche Vorteile aktiver Mobilität, volkswirtschaftliche Vorteile durch neue Technologien oder gesunde Böden durch regenerative Landwirtschaft.“ Maßnahmen wie die Förderung des Austausches von Ölkesseln oder die Wiedereinführung des Klimabonus wären Anreize für den Wandel, ebenso die Umlenkung aller Investitionen auf nachhaltige Bereiche.

Die physikalischen Gesetze der Erderwärmung endlich ernst nehmen

Politisch müsse die Erderhitzung aber endlich ernster genommen werden, ergänzt der Transformationsexperte Hans Holzinger, Koordinator der S4F Salzburg:

„Dem Klima ist es egal, wenn wir es aufheizen. Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Und mit der Natur kann man nicht verhandeln, sondern sie nur gut oder schlecht behandeln. Die Natur ist Gegenstand der wissenschaftlichen Erforschung und nicht der politischen Debatte.“

Die physikalischen Gesetze seien klar: „Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden, umso mehr heizt sich der Planet auf. Das geht schleichend vor sich, doch Kipppunkte wie die Freisetzung großer Mengen Methan durch das Auftauen der Permafrostböden können die Lage auch rasch noch gefährlicher machen.“ Da Kohlendioxid hundert Jahre in der Atmosphäre verbleibt, sei ein Zurück zu einem früheren Zustand ohnedies nicht mehr möglich. „Die heurigen erneuten Hitzerekorde und Waldbrände sind ein Fingerzeig, endlich konsequenter zu handeln. Die volkswirtschaftlichen Kosten sind bereits jetzt enorm, die sozialen Folgen etwa durch Verteuerung unserer Lebensmittel durch Missernten werden zunehmen“, so Holzinger.

Der Weg sei klar, wenn auch nicht einfach: „Wir müssen weg von fossilen Energien – Erdöl, Gas und Kohle – und gleichzeitig energieautonom werden. Nach dem Verursacherprinzip (wir haben historisch über Jahrzehnte überproportional emittiert) ist Österreich auch als kleines Land gefragt. Und es ist besser Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Dazu kommt die im Rahmen der Europäischen Union eingegangene Verpflichtung, spätestens 2050 klimaneutral zu sein – die österreichische Regierung peilt sogar 2040 an, auch Salzburg ist hier noch säumig, wie kürzlich ein Bericht des Landesrechnungshofs aufgezeigt hat“, so Blechert und Holzinger.

Anpassungen an die Erderhitzung sind nötig, wir brauchen aber auch eine wirksame Klimapolitik zur Eindämmung des Treibhausgas-Ausstoßes

Österreichs Rinderbauern fordern ein Dürre-Nothilfepaket: 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds sollen helfen, zusätzliches Futter zu finanzieren. Denn wenn es in den kommenden Wochen derart heiß bleibe, müsse dieses im Ausland zugekauft werden. Zudem müssten Maisbestände hierzulande gesichert werden und es für Futtermittelimporte einen Zuschuss geben. Nach Ansicht der IG Milche müsse von der Bundesregierung ein Krisenstab eingerichtet werden.

Die Forderung nach staatlicher Unterstützung sei verständlich. Es wächst aufgrund der langen Trockenperiode kaum Gras nach. Die Preise für Heu werden stark ansteigen. Teilweise werden Kühe zur Schlachtung freigegeben werden müssen, was aber den Verkaufspreis für die Bauern senken wird. Mehr Angebot bedeutet sinkender Preis und umgekehrt: Mehr Nachfrage bedeutet steigenden Preis. Lebensmittel werden aber wohl teurer werden – auch aufgrund gestiegener Energiepreise.

Es reiche nicht, wenn der Staat nur in Krisensituationen einspringt – die Verschuldung der öffentlichen Haushalte sei bereits jetzt enorm. Markteingriffe wird es auch brauchen, um den Ausstoß an Treibhausgasen rasch zu senken: „Höhere CO2-Steuern, stärkere Geschwindigkeitslimits auf Straßen oder das leider wieder aufgeweichte Verbrenner-Aus in der EU ab 2035 wären praktische Maßnahmen. Und die Krisenbranchen müssen selbst klimafit werden. In der Autoindustrie bedeutet dies rascher Umstieg auf E-Antriebe, in der Landwirtschaft Umstieg auf regernative Anbaumethoden, die drastische Reduzierung des Kunstdünger- und Pestizideinsatzes sowie die Redimensionierung des Fuhrparks und der Maschinen.“

Univ. Prof. Dr. Jens Blechert, Mag. Hans Holzinger, Scientists for Future Salzburg, 5020 Salzburg, Rückfragen: 0699.11370178

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Autor: Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Bildungswerkleiter in Seekirchen, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, Auswahl Bücher: "Wirtschaftswende" (2024), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Scientists for Future, Attac, Gemeinwohlökonomie, , Südwind, Amnesty International.