
Salzburg zählt zu den Städten mit den höchsten Wohnungspreisen. Das neue räumliche Entwicklungskonzept (REK) der Stadt Salzburg sieht nun die Schaffung von mehr Flächen für Wohnraum vor, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken. Neben Wohnraumverdichtung und der Umwidmung von Gewerbeflächen sind Flächentausche zwischen bisher als Grünland gewidmeten Arealen und anderen Flächen Teil des Programms. Dies hat zu Protesten der betroffenen Anrainer:innen geführt. Die Schientists for Future Salzburg haben der zuständigen Planungsstadträtin Anna Schiester drei Fragen gestellt, um zur Versachlichung der Debatte beizutragen. Zudem haben sie eine öffentliche Stellungnahme zum Thema abgegeben.
1) Um welche und wie viele Flächen im Salzburger Süden handelt es sich beim diskutierten Flächentausch?
Im REK-Entwurf sind mehrere Bereiche im gesamten Stadtgebiet als „potenzielle Tauschflächen“ ausgewiesen – darunter auch einige im Süden. Dazu zählen Flächen entlang der Apothekerstraße / Heffterhof, Teile des Erdbeerlands (wobei dort bereits im REK 2007 Baulandpotenziale bestanden), ein Bereich entlang der Aignerstraße sowie eine kleinere Fläche in der Redtenpacherstraße. Weitere potenzielle Suchräume liegen in Mayrwies, an der Moosstraße, in Maxglan und in Morzg.
In Summe umfasst diese Kategorie im REK-Entwurf rund 35 Hektar potenziell geeigneter Flächen.
Wichtig ist:
Alle Flächen, die im Rahmen eines Flächentauschs eingebracht werden, müssen qualitativ und quantitativ gleichwertig sein. Die vorgeschlagenen Einbringungsflächen sind meist kleinere, ungünstig gelegene Baulandreste in schwächer erschlossenen Lagen, die nur sehr ineffizient bebaut werden könnten. Durch eine geordnete Entwicklung der Tauschflächen entstehen hingegen rund 20 % öffentliche Grünflächen, sofern die Herausnahmeflächen tatsächlich einer Widmung zugeführt werden. Auf den Baulandflächen selbst kann verdichteter, bodensparender Wohnbau entstehen – eine Voraussetzung für kompakte und leistbare Stadtentwicklung. Für den Bereich des Arbeitens und Wirtschaftens schlagen wir ebenfalls eine flächeneffiziente Strategie vor.
Aktuell stehen 99 % der Grünlanddeklaration überhaupt nicht zur Diskussion; 1% soll getauscht werden. Insgesamt soll die Deklaration weiterhin 3.600 Hektar umfassen und könnte nach heutigem Stand durch Sicherungen sogar noch größer werden (u.a. In Stadtteilen, die heute wenig Grün ausweisen)
Insgesamt ist es der engagierte Versuch, aktive Bodenpolitik (gegen die Hortung von Bauland), Bodenschutz, leistbares Wohnen (soziale Gerechtigkeit) und Klimaschutz (ein breiter Fokus im REK) zusammen zu denken und ein Einklang zu bringen
2) Was ist die Begründung für den Flächentausch?
Der Flächentausch ist ein Instrument, um
• den hohen Bedarf an leistbarem Wohnraum in der Stadt zu decken,
• gleichzeitig den Gesamtumfang des geschützten Grünlands zu erhalten,
• und zusätzlichen Bodenverbrauch zu vermeiden.
In einem Satz:
Ein Flächentausch ermöglicht begrenzte neue Wohnbauflächen, ohne netto zusätzliches Grünland zu verbrauchen – weil an anderer Stelle mindestens gleich viel Grünland dauerhaft gesichert wird, das heute baulich nutzbar wäre. Es handelt sich also um einen „Nullsummen-Mechanismus“.
3) Stehen Nachverdichtung und Leerstandsaktivierung ohnehin im Programm?
Ja, selbstverständlich. Das ist der FOKUS des REK.
Der klare Schwerpunkt liegt auf Innenentwicklung: 70 % des künftigen Wohnungsbedarfs sollen durch Maßnahmen im Bestand gedeckt werden – durch Nachverdichtung, Leerstandsaktivierung und die Transformation bestehender Gewerbeflächen (etwa in Schallmoos, entlang der Alpenstraße oder anderen Entwicklungsachsen).
Foto: Anna Schiester © Stadt Salzburg/Nico Zuparic