Neue Verkehrserhebung in Salzburg: Rad und ÖV nehmen zu, aber ebenfalls der Autoverkehr

Alle zehn Jahre führt das Land Salzburg eine große Verkehrserhebung durch. Nun wurden die Daten für 2022 publiziert. Hier findet ihr die zentralen Ergebnisse.

  • 2022 wurden von den Salzburger:innen rund 19,2 Millionen Kilometer an einem durchschnittlichen Werktag zurückgelegt, ein Plus von 22 Prozent zu 2012.
  • Knapp elf Millionen Kilometer wurden am Steuer eines PKW zurückgelegt, ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zu 2012.
  • Der Radverkehr hat sich im selben Zeitraum um 92 Prozent auf 900.000 Kilometer erhöht, die Fußwege um 82 Prozent auf über 500.000 Kilometer.
  • Der öffentliche Verkehr hat mit einem Plus von 42 Prozent auf rund 4,2 Millionen Kilometer pro Werktag zugenommen.
  • An die 60 % der Wege wurden 2012 im Bundesland Salzburg mit dem Auto zurückgelegt, 2020 ist der Anteil auf 55 % zurückgegangen. Das klingt nicht schlecht. Doch: Die insgesamt sind die gefahrenen Autokilometer weiter erheblich gestiegen!
  • Der Anstieg der insgesamt zurückgelegten Wege um ca. 4 Mio. Kilometer ist allein auf den Freizeitverkehr zurückzuführen, beim Pendlerverkehr wurde ein leichter Rückgang um 3 % verzeichnet. Gründe sind die Zunahme von Homeoffice sowie der demografische Wandel.
  • In der Stadt Salzburg wurden 2012 44 % der Wege mit dem Auto, je knapp 20 % mit dem Rad oder Zu Fuß sowie knapp 15 % mit dem ÖV. 2022 ist der Umweltverbund von 54 % auf 62 % gestiegen, damit wurde der Wert von 1995 (61%) wieder erreicht. Aber auch hier täuschen die Prozentangaben: denn absolut ist auch der Autoverkehr in der Stadt weiter gestiegen.

Verkehrsreferent LH-Stv. Stefan Schnöll spricht vom „Beginn der Mobilitätswende“ in Salzburg (SN 6.10.2023) Das wird mit einer Grafik, die die prozentuellen Zunahmen bei ÖV und Radverkehr zeigt, illustriert (s.u.).

Einschätzung: Die Zunahme der mit ÖV und Rad zurückgelegten Entfernungen ist erfreulich, aber die weitere starke Zunahme der gefahrenen Autokilometer sowie ihr nach wie vor größter Anteil an den Wegen ist mit den Klimazielen NICHT vereinbar. Hohe Prozentzuwächse klingen gut, verschleiern aber die absoluten Größenordnungen. 92 Prozent Zunahme im Fahrradverkehr sind begrüßenswert, dürfen aber nicht vergessen machen, dass noch immer mehr als 10 Mal so viele Tageskilometer mit PKWs, LKWs und Mopeds zurückgelegt werden – dies fast ausschließlich mit Verbrennungsmotoren und damit starkem CO2-Ausstoß. Gegenüber den Öffis sind es zweieinhalb Mal so viel. Und mit 1,24 Mio. Tageskilometern ist der Zuwachs bei den Öffis weiterhin geringer als beim Individualverkehr mit plus 1,33 Mio. Tageskilometern. Eine tatsächliche Mobilitätswende würde bedeuten, dass sich die Verhältnisse umkehren.

Infografik Mobilitätsstudie Zurückgelegte Kilometer nach Verkehrsmittel An einem durchschnittlichen Werktag legten die Salzburgerinnen und Salzburger im Vorjahr 45,5 Prozent der Gesamtanzahl ihrer Wege am Steuer eines PKW zurück. 2021 lag dieser Anteil noch bei 49 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege deutlich von 10,7 auf 12,9 Prozent. Stand 05.10.2023 web_infografik
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Autor: Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, zuletzt erschienen: "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Attac, Gemeinwohlökonomie,Global Marshall Plan Initiative, Südwind, Amnesty International.