Ergänzung der S4F zum Räumlichen Entwicklungskonzept: Debatte ja, aber bitte sachlich

„Kein Interesse an Klima-Beitrag?“ titelt Mag. Peter Braun seine Kritik auf unsere Stellungnahme zum Räumlichen Entwicklungskonzept der Stadt Salzburg, kurz REK, in dem er den Scientists for Future Unwissenschaftlichkeit vorwirft, da das REK von falschen Bevölkerungsprognosen ausgehe. Zudem würden wir weiterer Verbauung von Flächen das Wort reden und Bürgerbeteiligung missachten (Leserbrief SN 13.12.2025). Das kann nicht unwidersprochen bleiben.

Erstens: Die Scientists for Future engagieren sich für eine wirksame Klima- und Biodiversitätsschutz-Politik, sie stehen aber auch für eine sozial faire Transformation, wozu leistbares und möglichst naturnahes Wohnen für alle, nicht nur für höhere Einkommensgruppen zählt.

Zweitens: In unserer Stellungnahme plädieren wir – so wie das REK und die Politik der Stadtregierung – für Nachverdichtung, Leerstandsaktivierung und sogenannte Transformationsflächen, also die Umwidmung von Gewerbearealen in Wohn- bzw. Mischflächen. Rund 70 Prozent der künftigen Wohnentwicklung passiert im bestehenden Bauland. Ein großer Teil entsteht durch die Reaktivierung brachliegender Betriebsareale, Mischnutzungen und Projekte, die Wohnen und Arbeiten verbinden. Hier ist keine zusätzliche Versiegelung notwendig.

Drittens: Fakt ist aber, dass hohe Wohnkosten immer auch mit hohen Bodenpreisen zusammenhängen, wenn Boden knapp ist. Baulandsicherung ist daher verantwortungsvoll, auch wenn Bevölkerungsprognosen differieren. Die Expert:innen des REK betonen: Bauverdichtung und Baulandsicherung sind beides erforderlich. Und: Die Bevölkerungsprognosen des ÖIR und von Statistik Austria beruhen auf der Berücksichtigung zahlreicher Variablen und Indikatoren. Weder ÖIR noch Statistik Austria berechnen nur eine Prognose. Welche Prognose (bzw. Szenario) gewählt wird, folgt auch und vor allem politischen Interessen.

Viertens: Die geplanten Tauschflächen betreffen ein Prozent der Grünlanddeklaration und es geht kein Grünland verloren. Da die neu ausgewiesenen Grünflächen für Bebauung schwerer zugänglich sind, macht dies ökonomisch Sinn. Dem REK ist zu entnehmen: Für jede Fläche, die aus der Deklaration gehoben wird, wird eine gleichwertige Fläche in derselben ökologischen Qualität wieder eingebracht, sodass weiterhin 57 Prozent der städtischen Fläche in der Deklaration sind.

Sechstens: Als Gefahr wird gesehen, dass neugewidmetes Bauland erneut zu Spekulation führen könnte. Doch es werden nur Flächen in Betracht gezogen, die für förderbaren Wohnbau und soziale Infrastruktur mobilisierbar sind. Eigentümer:innen müssen zusagen, dass sie ihr Grundstück zu Konditionen der Wohnbauförderung zur Verfügung stellen.

Siebtens: Bürgerbeteiligung ist im REK ausdrücklich verankert. Das haben wir in unserer Stellungnahme als Vorwissen vorausgesetzt. Es müssen aber auch jene in den in Bezug auf Wohnqualität eher benachteiligten Gebieten gefragt werden, die nun in den Genuss einiger gesicherter Grünflächen kommen. Das REK sichert nicht nur Wohnraum, sondern schafft auch zusätzliche Grünflächen im Norden, wo sie heute fehlen. Auch die Menschen in den dicht bebauten Teilen der Stadt haben klimaschützende Maßnahmen, Abkühlung und wohnortnahe Grünräume verdient.

Achtens: Als Gefahr wird gesehen, dass neugewidmetes Bauland erneut zu Spekulation führen könnte. Doch es werden nur Flächen in Betracht gezogen, die für förderbaren Wohnbau und soziale Infrastruktur mobilisierbar sind. Eigentümer:innen müssen zusagen, dass sie ihr Grundstück zu Konditionen der Wohnbauförderung zur Verfügung stellen.

Schließlich: Wissenschaft und Demokratie brauchen den offenen Diskurs. In der Sache soll gestritten werden. Dafür gab es die Möglichkeit, zum REK Eingebungen zu machen. Als Scientists for Future suchten wir daher auch bewusst den Dialog mit den politisch Verantwortlichen. Der Ton des Leserbriefs („Von Wissenschaftlern erwarte ich …“) ist jedoch nicht unserer – aber das ist Geschmackssache.

Univ. Prof. Jens Blechert, Univ. Prof. Andreas Koch, Mag. Hans Holzinger, Scientists for Future Salzburg

Avatar von Unbekannt

Autor: Hans Holzinger

Zukunfts- und Nachhaltigkeitsforscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, 2010-2014 Lehrauftrag an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Autor und Vortragender, zuletzt erschienen: "Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten" (2012); "Sonne statt Atom. Robert Jungk und die Debatten über die Zukunft der Energieversorgung seit den 1950er-Jahren" (2013), "Von nichts zu viel - für alle genug" (2016), "Post-Corona-Gesellschaft" (2020). Forschungsschwerpunkte: Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, globaler Ausgleich, neue Wohlstandbilder. Mitglied u.a. von Attac, Gemeinwohlökonomie,Global Marshall Plan Initiative, Südwind, Amnesty International.