Hallo Klima! Online Abendworkshops ab 29.9. u.a. zu Depolarisieurng als Klimakompetenz

Gerne weisen wir hier wieder auf die nächsten Hallo Klima! Online Abendworkshops hin:

 Administrative Infos zu den Workshops:

Preis: Spende je nach Selbsteinschätzung – eine finanzielle Unterstützung ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Anmeldung unter workshop@halloklima.at

Zoom-Link wird nach Anmeldung zugeschickt

LHF Karoline Edtstadler bestätigt Ziel der Klimaneutralität – Leserbrief von S4F-Mitglied Gunter Sperka

Im Interview (Lokalteil der SN vom 14.8.) erklärt die Landeshauptfrau: „Was uns in Salzburg aber gelingen muss, sind die Klimaneutralität und ein verminderter CO2-Ausstoß“. Diese Aussage – spät aber doch getätigt – ist erfreulich.

Zur Erinnerung: Bereits seit vielen Jahren hat Salzburg eine Klima- und Energiestrategie („Salzburg2050 klimaneutral.energieautonom.nachhaltig“), 2021 wurde der zweite Umsetzungsplan (Masterplan Klima+Energie 2030) von der Landesregierung beschlossen. Der Zielpfad des Masterplanes ist mit vielen Maßnahmen (jeweils mit quantifizierter Reduktionswirkung) hinterlegt. Während sich Salzburg im Bereich Erneuerbare Energien und Energiewende grosso modo (abgesehen von der Windkraft, aber diese wurde von der Landeshauptfrau im Interview positiv adressiert) auf gutem Weg befindet, hinkt es bei der Erfüllung der Treibhausgasziele weit hinterher.

Die Ziele sind beschlossen, die Maßnahmen liegen auf dem Tisch, die zuständigen Abteilungen verfügen über hervorragende Expertise und nun artikuliert die Landeshauptfrau (endlich) auch ihren politischen Willen. Vielleicht gelingt es der Landeshauptfrau sogar, den zuständigen Bundesminister aus seinen klimapolitischen Hitzeferien zu holen, denn Salzburg allein kann die Klimaneutralität nicht herbeiführen. Zur Erinnerung: die Bundesregierung bekennt sich zur Klimaneutralität bereits 2040 ohne auch nur im Entferntesten erkennen zu lassen, wie diese  erreicht werden soll; Stichwort: fehlendes Klimaschutzgesetz. Es gibt also keinen Grund (mehr), die Dinge in Salzburg nicht sofort in Angriff zu nehmen. Keinen Grund, aber vielleicht ein Hindernis: die für Klimaschutz zuständige Landeshauptfraustellvertreterin?

Ein wesentlicher Aspekt blieb im Interview – möglicher Weise der Kürze des Formates geschuldet – unangesprochen: die notwendige Anpassung an die mittlerweile unvermeidbaren Folgen des Klimawandels, vom Hitzeschutz bis zum Hochwasserschutz, von den nötigen Umstellungen in der Land- und Forstwirtschaft hin zu medizinischen Fragen und sozialen Auswirkungen muss mit ebensolcher Dringlichkeit wie der Klimaschutz vorangetrieben werden. Nochmals zur Erinnerung: auch dafür hat das Land Salzburg eine „Salzburger Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“. Auch dort sind viele Maßnahmen im Detail beschrieben, die allermeisten (und wirksamsten) harren allerdings noch ihrer Umsetzung. Auch hier gilt: es gibt keinen Grund, allenfalls ein Hindernis (siehe oben), nicht sofort mit der Umsetzung zu beginnen.

Nebenbei: Dass beide Strategien aufgrund neuer Erkenntnisse und Herausforderungen (zB in Hinblick auf Wasserknappheit, lange Dürreperioden, sich stark verändernde Rahmenbedingungen für die Wasserkraft, Strombedarf der KI uvm) weiterentwickelt und entsprechende Maßnahmen formuliert werden müssen, ist den Expert*innen der Abteilungen sicher bewusst und sollte bei entsprechendem Willen rasch in politische Entscheidungen münden können.

Dr. Gunter Sperka
Mitglied im Fachkollegium der Scientists for Future Österreich, 5026 Salzburg

ZERTIFIKAT FÜR HOCHSCHULLEHRENDE BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG (BNE-Zertifikat)

Im November 2026 startet erneut die Fortbildung „Zertifikat für Hochschullehrende Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ der Allianz Nachhaltige Universitäten. Hochschullehrende aller Disziplinen können ihre Lehrkompetenzen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung weiter- oder neu entwickeln und dies österreichweit über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg.

Im Umfang von 4 ECTS erarbeiten die Teilnehmenden Grundlagen, Methoden und vertiefte Einblicke in BNE und können ihre eigene Lehre reflektieren und weiterentwickeln. Ein großer Teil des Curriculums kann den eigenen Interessen und Vorkenntnissen entsprechend zusammengestellt werden.

Die Bewerbungsphase für den Jahrgang 2026/27 ist geöffnet und läuft bis zum 15. Oktober 2026.

Informationen zu den Terminen, Inhalten und zur Bewerbung sind unter https://nachhaltigeuniversitaeten.at/zertifikat/ zu finden sowie im angehängten Flyer.

Mit dem Klima kann man nicht verhandeln – Mehrfachnutzen von Klimamaßnahmen herausstreichen

Stellungnahme von Scientists for Future Salzburg, 10. August 2026

Aufgrund der anhaltenden Dürre, der überhitzen Städte, dem Ausbleiben von Regen ist die Klimakrise auch medial wieder präsent. Vertreter und Vertreterinnen der Klimaforschung betonen in Interviews, dass der heurige Sommer kein Ausreißer ist, sondern zum neuen Normal werden wird.

Die Notwendigkeit nicht nur von Klimawandelanpassungen, sondern auch einer wirksameren Politik zur Vermeidung von Treibhausen ist evident. Die Schwierigkeit liegt jedoch in der Vermittlung, so der Psychologe und Sprecher von Scientists for Future Salzburg Jens Blechert:

„Niemand will heiße Sommer und Sturzfluten oder ausfallende Ernten in der Landwirtschaft. Was fehlt, ist die Selbstwirksamkeitserwartung: selbst wenn wir in Österreich sofort unseren CO2-Ausstoß auf Null reduzieren, wird sich erst einmal am Verlauf der Klimakrise nichts spürbar ändern.“

Notwendig sei daher die Nennung von zusätzlichen Vorteilen einer wirksamen Klimapolitik: „mittelfristige Kosteneinsparungen durch Energieautonomie, weniger Lärm und bessere Luftqualität durch weniger Autos, Aufwertung von Immobilien an Hauptverkehrsachsen, gesundheitliche Vorteile aktiver Mobilität, volkswirtschaftliche Vorteile durch neue Technologien oder gesunde Böden durch regenerative Landwirtschaft.“ Maßnahmen wie die Förderung des Austausches von Ölkesseln oder die Wiedereinführung des Klimabonus wären Anreize für den Wandel, ebenso die Umlenkung aller Investitionen auf nachhaltige Bereiche.

Die physikalischen Gesetze der Erderwärmung endlich ernst nehmen

Politisch müsse die Erderhitzung aber endlich ernster genommen werden, ergänzt der Transformationsexperte Hans Holzinger, Koordinator der S4F Salzburg:

„Dem Klima ist es egal, wenn wir es aufheizen. Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Und mit der Natur kann man nicht verhandeln, sondern sie nur gut oder schlecht behandeln. Die Natur ist Gegenstand der wissenschaftlichen Erforschung und nicht der politischen Debatte.“

Die physikalischen Gesetze seien klar: „Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden, umso mehr heizt sich der Planet auf. Das geht schleichend vor sich, doch Kipppunkte wie die Freisetzung großer Mengen Methan durch das Auftauen der Permafrostböden können die Lage auch rasch noch gefährlicher machen.“ Da Kohlendioxid hundert Jahre in der Atmosphäre verbleibt, sei ein Zurück zu einem früheren Zustand ohnedies nicht mehr möglich. „Die heurigen erneuten Hitzerekorde und Waldbrände sind ein Fingerzeig, endlich konsequenter zu handeln. Die volkswirtschaftlichen Kosten sind bereits jetzt enorm, die sozialen Folgen etwa durch Verteuerung unserer Lebensmittel durch Missernten werden zunehmen“, so Holzinger.

Der Weg sei klar, wenn auch nicht einfach: „Wir müssen weg von fossilen Energien – Erdöl, Gas und Kohle – und gleichzeitig energieautonom werden. Nach dem Verursacherprinzip (wir haben historisch über Jahrzehnte überproportional emittiert) ist Österreich auch als kleines Land gefragt. Und es ist besser Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Dazu kommt die im Rahmen der Europäischen Union eingegangene Verpflichtung, spätestens 2050 klimaneutral zu sein – die österreichische Regierung peilt sogar 2040 an, auch Salzburg ist hier noch säumig, wie kürzlich ein Bericht des Landesrechnungshofs aufgezeigt hat“, so Blechert und Holzinger.

Anpassungen an die Erderhitzung sind nötig, wir brauchen aber auch eine wirksame Klimapolitik zur Eindämmung des Treibhausgas-Ausstoßes

Österreichs Rinderbauern fordern ein Dürre-Nothilfepaket: 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds sollen helfen, zusätzliches Futter zu finanzieren. Denn wenn es in den kommenden Wochen derart heiß bleibe, müsse dieses im Ausland zugekauft werden. Zudem müssten Maisbestände hierzulande gesichert werden und es für Futtermittelimporte einen Zuschuss geben. Nach Ansicht der IG Milche müsse von der Bundesregierung ein Krisenstab eingerichtet werden.

Die Forderung nach staatlicher Unterstützung sei verständlich. Es wächst aufgrund der langen Trockenperiode kaum Gras nach. Die Preise für Heu werden stark ansteigen. Teilweise werden Kühe zur Schlachtung freigegeben werden müssen, was aber den Verkaufspreis für die Bauern senken wird. Mehr Angebot bedeutet sinkender Preis und umgekehrt: Mehr Nachfrage bedeutet steigenden Preis. Lebensmittel werden aber wohl teurer werden – auch aufgrund gestiegener Energiepreise.

Es reiche nicht, wenn der Staat nur in Krisensituationen einspringt – die Verschuldung der öffentlichen Haushalte sei bereits jetzt enorm. Markteingriffe wird es auch brauchen, um den Ausstoß an Treibhausgasen rasch zu senken: „Höhere CO2-Steuern, stärkere Geschwindigkeitslimits auf Straßen oder das leider wieder aufgeweichte Verbrenner-Aus in der EU ab 2035 wären praktische Maßnahmen. Und die Krisenbranchen müssen selbst klimafit werden. In der Autoindustrie bedeutet dies rascher Umstieg auf E-Antriebe, in der Landwirtschaft Umstieg auf regernative Anbaumethoden, die drastische Reduzierung des Kunstdünger- und Pestizideinsatzes sowie die Redimensionierung des Fuhrparks und der Maschinen.“

Univ. Prof. Dr. Jens Blechert, Mag. Hans Holzinger, Scientists for Future Salzburg, 5020 Salzburg, Rückfragen: 0699.11370178

„For Future“ -Klimaaktion am Alten Markt am 25. April 2026
Fotos: privat, Reinhard Geiger

Johannes Schmidl: Klima_Gletscher_Schmelze. Wallersee-Gespräche 14.8


Der Energieexperte Johannes Schmidl liest aus seinem Essay “Über die Würde der Gletscher”

Was sagt uns das Schwinden der Gletscher über unser Verhältnis zur Natur? Wie hängt dieses mit unserem enormen Hunger nach Energie zusammen? Und welche Wege in eine bessere Richtung wären möglich?

Johannes Schmidl ist Energiewende-Experte und beschäftigt sich zugleich mit der Rolle von Utopien. Der Schwund der Gletscher ist für ihn ein Bild dafür, was verschwinden kann, wenn wir unsere Art zu wirtschaften und zu leben nicht ändern. Foto: privat. Gefördert vom Land Salzburg

Freitag, 14. August – 18 Uhr
Klima_Gletscher_Schmelze

Ort: Seecafé, Strandbad Seekirchen, Seestraße 2, 5201 Seekirchen. Freier Eintritt

Eine Veranstaltung der WALLERSEE_GESPRÄCHE 2026 des Salzburger Bildungswerk Seekirchen. Infos & Anmeldung: Bildungswerkleiter Hans Holzinger, www.hans-holzinger.org/anmeldung, 0699.11370178

Bücher von Johannes Schmidl

„Über die Würde der Gletscher“

„Energie und Utopie“

Bauplan für eine Insel?

Luisa Grabenschweiger: Ressource Achtsamkeit. Wallersee_Gespräche 6.8.

Die Psychotherapeutin Luisa Grabenschweiger lädt mit Wahrnehmungsübungen zu mehr Achtsamkeit ein

Warum verlieren wir in der modernen Multioptionsgesellschaft den Fokus auf uns selbst? Wie lässt sich die Selbstwahrnehmung einüben und mehr Achtsamkeit für uns selbst und die Mitwelt gewinnen? Und warum braucht dies keinen Rückzug von der Welt?

Luisa Grabenschweiger ist Psychologin, Psychotherapeutin in freier Praxis sowie ausgebildete Yogalehrerin. Eine bessere Körperwahrnehmung und den Blick nach innen sind für sie wichtige Ressourcen für ein befriedigendes Leben.
Foto: privat/Wegenkittl

Donnerstag, 6. August – 18 Uhr
Ressource Achtsamkeit

Ort: Seecafé, Strandbad Seekirchen, Seestraße 2, 5201 Seekirchen. Freier Entritt

Eine Veranstaltung der WALLERSEE_GESPRÄCHE 2026 des Salzburger Bildungswerk Seekirchen. Infos & Anmeldung: Bildungswerkleiter Hans Holzinger, www.hans-holzinger.org/anmeldung, 0699.11370178

AVISO: Vernetzungstreffen der Salzburger Klima- und Nachhaltigkeitsinitiativen 24.9.

Das Salzburger Bildungswerk lädt zum nächsten Vernetzungstreffen der Salzburger Klima- und Nachhaltigkeitsinitiativen ein. Angesprochen sind alle Gruppen und Organisationen im Bundesland Salzburg, die sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz engagieren.

Die Themen:

  • Rückblick auf die Salzburger Aktionstage „Aufbruch für ein gutes Leben für alle“ 2026 mehr
  • Planungen für die Aktionstage 2027: Termin, Aufruf zur Mitwirkung u.a.
  • Berichte und Terminankündigungen aus den Gruppen

Moderation: Hans Holzinger (Leiter des Arbeitskreises Klima & Nachhaltigkeit des SBW)

Termin: Donnerstag, 24. September 2026, 17 – 19 Uhr
Ort: Salzburger Bildungswerk, Strubergasse 18, 5020 Salzburg

Anmeldung erwünschttamara.baumgartner@sbw.salzburg.at

Hans Holzinger: „Ökonomie der Grundbedürfnisse. Zur Neuausrichtung unserer Wirtschaft“ Wallersee_Gespräche 30.7.


Der Transformationsforscher Hans Holzinger liest aus seinem Buch “Wirtschaftswende”

Wie würde eine Wirtschaft aussehen, die die Befriedigung der Grundbedürfnisse für alle in den Mittelpunkt stellt? Welche Weichenstellungen wären dafür nötig? Und wäre eine solche Wirtschaft überhaupt machbar?

Hans Holzinger ist Wirtschafts- und Sozialgeograph und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit der ökologischen Transformation. In seinem Buch „Wirtschaftswende“ macht er über 100 Vorschläge für eine Umsteuerung.

Donnerstag, 30. Juli – 18 Uhr
Ökonomie der Grundbedürfnisse

Als Ort steht das wunderbare Glashaus im Seecafé des Strandbades Seekirchen mit ausgezeichneter Gastronomie zur Verfügung. Und wer will, kann vor den Veranstaltungen gerne eine Abkühlung im Wallersee nehmen oder auch im Seecafé einkehren.

Beginn der Veranstaltung ist 18 Uhr. Gebeten wird aber, etwas früher zu kommen, um eine entspannte Bestellung von Speisen & Getränken an der Theke des Strandbades zu ermöglichen.

Anmeldung erwünscht: www.hans-holzinger.org/anmeldung

Foto: Carmen Bayer. Gefördert vom Land Salzburg

„Zur Bedeutung von Naturerfahrung“ – Eröffnung der Wallersee_Gespräche mit Naturfreunde-Obfrau Sophia Burtscher.

„Natur schenkt uns Gesundheit, Ruhe und Kraft. Sie macht uns aber auch bewusst, dass wir Verantwortung tragen. Verantwortung dafür, dass auch unsere Kinder und Enkel noch auf einer blühenden Almwiese stehen, das Summen von Wildbienen hören oder einfach auf einem Gipfel sitzen und in die Weite schauen können.“ (Sophia Burtscher)

„Ins Gespräch kommen über die Dinge, die das Leben lebenswert machen“ – so lautet das Motto der 1. Wallerssee_Gespräche des Salzburger Bildungswerks Seekirchen, die am 17. Juli eröffnet wurden. Fünf Themenabende erwarten die Besuchenden. Es geht um die Bedeutung von Naturerfahrung, unsere Beziehung zu Tieren, ein an den Grundbedürfnissen orientiertes Wirtschaften, einen achtsamen Umgang mit sich selbst und miteinander sowie einen klimaverträglichen Lebensstil. Dabei wurde bewusst auch ein neuer Ort gewählt, um neue Menschen anzusprechen – das Seecafé des Strandbades Seekirchen. Sommerliches Flair verbunden mit der ausgezeichneten Küche des Seecafés geben den Rahmen für den inhaltlichen Austausch bei den Wallersee_Gesprächen, die Raum für Begegnung und Dialog ermöglichen.

Eröffnet wurden die Wallersee_Gespräche mit Sophia Burtscher, Obfrau der Naturfreunde Salzburg. Im Gespräch mit Bildungswerkleiter Hans Holzinger berichtete Burtscher über ihr Engagement für die Natur, den Zugang aller zu Naturerfahrung sowie die Sensibilisierung für die Ökosysteme als unsere Lebensgrundlage. Wie der Alpenverein organisieren auch die Naturfreunde Wanderungen und Bergtouren, sie betreuen Wanderwege und führen Berghütten. Ein besonderes Anliegen der Naturfreunde sei es, auch einkommensschwächeren Menschen Natur- und Wandererfahrungen zu ermöglichen, so Burtscher. Dies erkläre sich aus der Geschichte der Organisation, die aus der Arbeiterbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervorgegangen sei: „Schon im Zeitalter des beginnenden Tourismus bemühten die Naturfreunde sich, einer breiteren Bevölkerungsschicht naturnahe und kostengünstige Freizeit- und Reiseaktivitäten zu ermöglichen.“ 

Naturerfahrung ermöglichen und Naturräume sinnvoll bewirtschaften

Neben der Organisation von Wander- und Bergtouren, Jugendcamps und Info-Veranstaltungen sowie der Betreuung der Berghütten ist Sophia Burtscher als Obfrau der Naturfreunde auch politisch gefordert, etwa wenn es um gute Lösungen im Zusammenhang mit der Wegefreiheit zwischen Grundbesitzenden und Bikern gehe. Kritisch sieht Burtscher den Trend, Natur nur mehr als Konsumgut zu betrachten, in dem der Naturzugang kommerzialisiert und eventisiert wird. Auch die zunehmende Individualisierung, der Trend zur Selbstoptimierung und permanenten Beschleunigung sei problematisch. Naturerfahrung brauche Zeit, Naturerlebnis habe auch mit Gemeinschaftserlebnis zu tun, wie Burtscher vor kurzem auch in einer Ö1-Sendung zum Thema „Berge und Neoliberalismus“ ausgeführt hat. Die Wertschätzung gegenüber der Natur und die Freude am in der Natur-Sein könne von Kindheit auf vermittelt werden. Mit Jugendcamps und Outdoor-Pädagogik-Angeboten tragen die Naturfreunde auch dazu bei. Zudem gibt es eigene Angebote zu Senioren-Wandern.

Bedeutung der Ökosysteme für unsere Zivilisation

Aus ihrer beruflichen Erfahrung im Katastrophenschutz beschäftigt Burtscher besonders die Frage, wie wir mit Naturgefahren umgehen: „Wir erleben immer häufiger Starkregen, Hochwasser und Murenabgänge. Trotzdem wird teilweise noch immer in hochwassergefährdeten Bereichen gebaut. Die rote Gefahrenzone heißt nicht zufällig rot. Wenn dort neue Gebäude entstehen, schaffen wir zukünftige Schäden mit Ansage.“

Der Klimawandel mache die Kräfte der Natur immer unmittelbarer sichtbar: „Er zeigt uns auch, wie begrenzt unser Einfluss letztlich ist. Wir können Naturgesetze nicht verhandeln. Wenn wir ihre Grenzen ignorieren, bekommen wir früher oder später die Rechnung präsentiert – finanziell, ökologisch und menschlich.“

Deshalb brauche es starke staatliche Institutionen mit ausreichend Fachwissen und echten Kompetenzen: „Einrichtungen wie die Landesumweltanwaltschaft erfüllen eine wichtige Kontrollfunktion. Sie bringen die Stimme der Natur in Verfahren ein, in denen es sonst oft nur um wirtschaftliche Interessen geht. Ich halte es deshalb für problematisch, wenn ihre Rechte oder personellen Ressourcen Schritt für Schritt reduziert werden. Wer Naturschutz ernst meint, muss auch jene Institutionen stärken, die ihn umsetzen.“ Daneben brauche es selbstverständlich NGOs und Vereine wie die Naturfreunde. Aber wir dürften eines nicht vergessen: „Das Ehrenamt kann und soll den Staat nicht ersetzen.“

Selbstversorger-Berghütten und Anreise mit öffentlichem Verkehr als Ziel

Die ausgebildete Juristin Sophie Burtscher betreibt am Gaisberg die den Naturfreunden gehörende Rauchenbühel-Hütte, ein ökologischer Vorzeigebetrieb, der vor kurzem mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. Dass der Gaisberg noch immer frei mit dem Auto hochgefahren werden dürfe, sei zu hinterfragen, so Burtscher. Früh habe sie als Naturfreunde-Obfrau zumindest die Einführung einer Maut verbunden mit einem guten Takt der Gaisberg-Busse gefordert, bisher aber kein Gehör gefunden. Generell plädiert Burtscher für die Ausweitung der Angebote, die mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen sind. Auch darüber informieren die Naturfreunde und bieten entsprechende Services an. Als Besonderheit berichtete Burtscher über die Selbstversorger-Hütten der Naturfreunde. Kostengünstig können hier Gruppen in Eigenverantwortung Hütten benützen – die Betreuung erfolgt durch Ehrenamtliche. Das vor einem Jahr von den Naturfreunden übernommene Wallerseehaus zwischen Seekirchen und Zell am Wallersee, das Gruppen und Einzelnen auch für Übernachtungen zur Verfügung steht, wird ab 2028 ebenfalls nach diesem Prinzip geführt. Interessierte Ehrenamtliche für die Betreuung werden gesucht.

Gelungener Start – nächstes Thema „Unsere Beziehung zu Tieren“

Im Austausch mit den Besuchenden wurden eigene Naturerfahrungen, der achtsame Aufenthalt in der Natur, aber auch Zielkonflikte etwa zwischen dem für die Energiewende nötigen Ausbau von Windrädern und dem Naturschutz oder dem Bedarf an naturnahem Wohnraum sowie dem Flächenverbrauch angesprochen.

Die Wallersee-Gespräche sind ein Experiment – der Start ist gut geglückt, das wunderbare Salettl des Seecafés war bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Freitag, den 24. Juli wird der Theatermacher und pensionierte Philosophielehrer Wolf Junger aus einem Text über seine Hündin „Lorie“ lesen. Wir erfahren, was er in der Beziehung mit ihr gelernt hat. Ab 18 Uhr im Seecafé des Strandbades Seekirchen.

Bericht: Hans Holzinger, Fotos: Luisa Grabenschweiger

Links:

„Unsere Beziehung zu Tieren“ – Lesung und Gespräch mit Wolf Junger bei den Wallersee-Gesprächen 24.7.


Der Theatermacher Wolf Junger liest aus einem Text über seine Hündin “Lorie”

Was kann uns die Beziehung zu Tieren lehren? Was geht in Tieren vor, wenn sie sich auf uns beziehen? Unter welchen Umständen dürfen wir Tiere töten? Und blenden wir das Leid der Nutztiere in Massentierhaltung aus?

Wolf Junger hat am Gymnasium Seekirchen Philosophie unterrichtet und mit Menschen der Lebenshilfe Theaterproduktionen gestaltet. Die Beziehung zu seiner Hündin hat ihn neue Blickweisen auf das Leben ermöglicht.

Freitag, 24. Juli – 18 Uhr
„Unsere Beziehung zu Tieren“ – Lesung und Gespräch mit Wolf Junger

Als Ort steht das wunderbare Glashaus im Seecafé des Strandbades Seekirchen mit ausgezeichneter Gastronomie zur Verfügung. Und wer will, kann vor den Veranstaltungen gerne eine Abkühlung im Wallersee nehmen oder auch im Seecafé einkehren.

Beginn der Veranstaltung ist 18 Uhr. Gebeten wird aber, etwas früher zu kommen, um eine entspannte Bestellung von Speisen & Getränken an der Theke des Strandbades zu ermöglichen.

Auf Ihr/Euer Dabei -Sein freut sich
Bildungswerkleiter Hans Holzinger

Anmeldung erwünscht: www.hans-holzinger.org/anmeldung

Foto: privat/Hans Holzinger