Wirtschaft und Nachhaltigkeit in österreichischen Schulbüchern. Eine aktuelle Studie


(Salzburg, 18.3.2026) Wie wird Wirtschaft im Kontext aktueller sozialer Herausforderungen und angesichts planetarer, ökologischer Grenzen in österreichischen Schulbüchern dargestellt? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsaspekte  wie die Klima- oder Biodiversitätskrise? Diesen und weiteren Fragen geht der Wirtschaftsgeograph und Transformationsforscher Hans Holzinger in einer aktuellen Studie nach. Die von ihm untersuchten Themenfelder in den Schulbüchern reichen von der Darstellung von Bedürfnissen und dem Ziel von Wirtschaften über die Messung von Wohlstand und Lebensqualität bis hin zu den Herausforderungen durch ökologische Krisen und die zunehmende soziale Spaltung. Auch Themen wie das Wirtschaftswachstum und dessen Grenzen, die Zukunft der Arbeit und sozialen Sicherung, die Beschreibung der Wirtschaftssektoren, die Rolle der Finanzmärkte sowie Fragen der Ungleichheit und Entwicklung werden behandelt. Insgesamt hat der Autor 32 Begriffe untersucht. Ausführlicher Pressetext

Einige Ergebnisse in Kürze

Nachhaltigkeit ist Thema, aber nur bedingt am aktuellen Stand der Ökosystemforschung

Die Einschätzung des Studienautors: „Alle Schulbücher thematisieren ökologische Herausforderungen. Sie gehen ein auf Nutzungskonflikte, die Überbeanspruchung von Ökosystemen, die Degradation von Böden oder die Verknappung von Wasservorräten. Auch Landgrabbing wird problematisiert. Die Ausführlichkeit und Qualität der Darstellung variieren jedoch stark – nicht alle Schulbücher referieren den aktuellen Stand der Ökosystem- und Klimaforschung.“ 

Einer der Kritikpunkte von Holzinger: „Die Schulbücher gehen auf das Konzept der Nachhaltigkeitbzw. Tragfähigkeit des Planeten ein, das Problem des zu ressourcenintensiven Konsum- und Lebensstils in den wohlhabenden Ländern wird aber nur bedingt angesprochen. In manchen Schulbüchern wird ‚der Mensch‘ als Ursache für Nicht-Nachhaltigkeit bezeichnet, nicht ‚der Mensch in den Hochkonsumländern‘. Teilweise wird vor zu ‚radikalen Schritten‘ gewarnt.“

Die Klimakrise werde thematisiert, jedoch eher verhalten und überwiegend nicht dem aktuellen Stand der Klimaforschung entsprechend. Formulierungen wie „Viele Expertinnen und Expertinnen gehen davon aus, dass …“ oder das gleichgewichtige Nebeneinanderstellen von Risiken und Chancen durch die Klimaerwärmung würden die Herausforderung verharmlosen: „So betont ein Schulbuch etwa, dass der Sommertourismus in Österreich zu den Gewinnern des Klimawandels zähle, weil es im mediterranen Raum zu heiß für verträglichen Tourismus werde.“

Die „ökosoziale Marktwirtschaft“ werde als „Sonderform“ der Marktwirtschaft bezeichnet, nicht als notwendige allgemein anzustrebende Zukunftsperspektive; ebenso wie nachhaltige Investments für jene vorgestellt würden, die ethisch investieren möchten. „Wenn die Nachhaltigkeitswende gelingen soll, sind jedoch alle Kapitalströme auf ökologisch zu trimmen.“ Die Notwendigkeit einer gänzlichen Verabschiedung von den fossilen Energieträgern werde zu wenig betont, zum Teil sogar Peak Oil als Hauptproblem dargestellt, nicht der Ausstoß an Treibhausgasen. Der Umgang mit Ressourcen werde vor allem mit Recycling verbunden, eine Kreislaufwirtschaft mit langlebigen Produkten und Ökodesign kaum thematisiert, so weitere Kritikpunkte von Holzinger.

Zukunft der Arbeit und der erweiterte Arbeitsbegriff – Sozialstaat zwischen Errungenschaft und Nicht-mehr-Finanzierbarkeit

Im Bereich der Erwerbsarbeit werde auf viele Aspekte eingegangen – von Beschäftigungsformen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu Arbeit 4.0. Arbeitszeitverkürzungen und neue Arbeitszeitmodelle würden jedoch nur bedingt angesprochen, kritisiert Holzinger: „Wirtschaftsbildung muss zukünftig stärker auf innovative Arbeitszeitmodelle eingehen, weil diese von jüngeren Generationen gefordert werden. Die aktuelle Diskussion in Österreich über ‚Lifestyle‘-Teilzeit allein legt eine konstruktive Auseinandersetzung nahe.“ 

In den Ausführungen zur Sozialpolitik gibt es laut Holzinger zwei Stoßrichtungen: „Einige Schulbücher stellen die Vorzüge und Errungenschaften des Wohlfahrtstaates in den Mittelpunkt, andere dessen Nicht-Mehrfinanzierbarkeit sowie das Einfordern von mehr Eigenverantwortlichkeit, was etwa durch verschärfte Bedingungen für Arbeitslose oder mehr Anreize zur Eigenvorsorge erwartet wird.“

Ungleichheit werde in den Schulbüchern unterschiedlich behandelt, so Holzinger: „Manche betonen die Ungleichheit global oder zwischen Regionen, manche betonen eher die Ungleichheit bei den Einkommen, nur zum Teil wird jene bei den Vermögen problematisiert.“

Globalisierung und weltweiter Handel werden in den meisten Büchern mit ihren Chancen und Problemen beschrieben, so Holzinger. „Genannt werden etwa billigere Produkte durch mehr Wettbewerb als Vorteil für uns als Konsument*innen, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer als Nachteil, wobei die Gewichtung nach Schulbüchern variiert. Das bestehende Welthandelssystem wird teilweise kritisiert, der Welthandel an sich aber nicht in Frage gestellt. Aus ökologischer Sicht muss Wirtschaftsbildung nicht nur über einen ethischen oder fairen Welthandel reflektieren, sondern auch darüber, wie viel Welthandel überhaupt sinnvoll und nötig ist.“

Hans Holzinger: Wirtschaft – Umwelt – Klima – Soziales. Die Darstellung von Wirtschaft in Österreichs Schulbüchern für Geografie und wirtschaftlicher Bildung im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und planetarer Grenzen. Salzburg/Wien 2025. 280 Seiten. ISBN Softcover: 978-3-99192-213-1, ISBN E-Book: 978-3-99192-212-4

Mehr: www.hans-holzinger.org/wirtschaft-im-kontext-okologischer-und-sozialer-nachhaltigkeit-eine-analyse-osterreichischer-schulbuecher/  

Bestellung: www.buchschmiede.at/app/book/318119-Hans-Holzinger-Wirtschaft-Umwelt-Klima-Soziale

Zum Autor: Hans Holzinger ist Wirtschafts- und Sozialgeograph, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg, Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschienen „Wirtschaftswende“ (oekom 2024).

Rückfragen: Tel. 0043.699.11370178

Anhang: Porträtfoto (C) Carmen Bayer/JBZ, Cover der Studie

„Damit das Notwendige möglich wird“ – Vortrag der Klimaforscherin Prof. Helga Kromp-Kolb in Seekirchen

leofellinger.at

Am 27. Februar 2026 war die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb zu Gast in Seekirchen. Sie machte in ihrem Vortrag einmal mehr deutlich, wie gefährlich die Klimakrise ist und dass wir gut beraten sind, diese ernster zu nehmen als wir es derzeit tun. Eingeladen hatten das Salzburger Bildungswerk Seekirchen, die e5-Gemeinden Köstendorf und Seekirchen sowie der Regionalverband Salzburger Seenland. Das Interesse an der Veranstaltung war riesig, die Kunstbox Seekirchen mit 190 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz gefüllt.

Video vom Vortrag

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News von S4F Salzburg: Offener Brief an die EU „Closing the Biodiversity Funding Gap“, Klimastatusbericht, Salzburger Friedenstagung u.a.

Liebe Scientists!

S4F Österreich hat einen offen Brrief an die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten zu Closing the Biodiversity Funding Gap: A Scientific Call for Action in the Next EU Budget erstellt. Wer diesen unterzeichnen möchte, kann dies über den Link tun. Danke!

Zur Info: Hitze- und Niederschlagsrekorde prägten das Jahr 2024 in Österreich. Der kürzlich erschienene Klimastatusbericht des Climate Change Center Austria, der Boku und der Geosphere Austria gibt einen detaillierten Rückblick.

Studie auf der S4F-Homepage: Für umfassende Maßnahmen gegen die Erderhitzung gibt es weltweit Rückhalt in der Bevölkerung. Eine vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mitverfasste Studie in der renommierten Fachzeitschrift Nature Human Behaviour geht der Akzeptanz-Frage jetzt wissenschaftlich auf den Grund.

Der nächste  Talk4Future am 18. Juni widmet sich diesmal dem Thema der Kinderrechte und Generationengerechtigkeit im Kontext des Klimaschutzes. Wie sind Kinderrechte gesetzlich verankert und welche Schutzmechanismen stehen Kindern und zukünftigen Generationen insbesondere in Österreich zur Verfügung?

Beim nächsten Vernetzungstreffen von Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsinitiativen am 11.6. ab 16 Uhr wird es u.a. einen Input zu Gelingende Klimakommunikation geben. Zudem wird der 1. Salzburger Aktionstag „Aufbruch – für ein gutes Leben für alle“ nachbesprochen. Die Einladung erfolgt durch den Fachbereich Klima und Nachhaltigkeit des Salzburger Bildungswerk.

In Salzburg hat sich vor kurzem eine neue Gruppe Religions for Future gegründet. Das nächste Treffen findet heute, 12.6. 18.00-20.00 Uhr in der Andräkirche Salzburg statt.  Infos: Sr.Rita Höllwerth HSF, Sr.rita@halleiner-schwestern.net.

Für Kurzentschlossene: Die 7. Salzburger Friedenstagung vom 16.-18. 6. in St. Virgil ist dem Thema Raus aus der Erschöpfung gewidmet. Unter den Keyspeakern sind Hartmut Rosa, Katharina Mau und Helga Kromp-Kolb. Jens Blechert, Lara Leik und Hans Holzinger sind für die S4F Salzburg auf Panels vertreten. Mehr und Anmeldung fim Link.

Wenn Nichtstun teuer wird: Forderungen der Forschung an die künftige Regierung

In herausfordernden Situationen erstmal Inne zu halten, erscheint in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Im Falle der Klimakrise ist zögerliches Handeln allerdings nicht zu empfehlen und kann laut Forschung zudem teuer zu stehen kommen. Expert:innen aus Klima und Umweltpolitik rund um die kürzlich ernannte „Wissenschaftlerin des Jahres 2024“, Sigrid Stagl, haben sich daher Anfang der Woche mit einem offenen Brief an die künftige Bundesregierung gewandt. Gefordert werden darin ein umfangreiches Innovationspaket sowie ein Bodenversiegelungs-Stopp.

„Aktiver transformativer Klimaschutz ist die ökonomisch günstigste Strategie“,
 argumentieren die rund 300 Unterzeichner:innen aus unterschiedlichsten Fachbereichen und bieten der künftigen Regierung ihre wissenschaftliche Expertise in der Erarbeitung und Umsetzung von effektiven Klimaschutzmaßnahmen an.

Den gesamten Brief kannst du unter dem Link nachlesen.

Und mittlerweile gibt es eine Unterschriftenaktion für die Beibehaltung des Klimatickets.

Beiträge zum Thema Krieg und Umweltzerstörung der AG „Klimakrise, Militär, Konflikt“ von S4F Österreich

Über 2,4 Billionen Dollar werden mittlerweile laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI weltweit jährlich für militärische Zwecke ausgegebenen. Das ist eine eklatante Verschwendung von Mitteln, die wir für die Lösung der großen Menschheitsprobleme wie Hunger oder Umweltkrisen bräuchten. Hier einige Beiträge zum Thema Krieg und Umweltzerstörung, die in der AG „Klimakrise, Militär, Konflikt“ bei S4F Österreich ausgearbeitet wurden.

Blut und CO2 – Was der Krieg mit dem Klima macht: https://at.scientists4future.org/2021/12/09/blu…

Kernkraft, Atomwaffen und nuklearer Winter: https://at.scientists4future.org/2022/01/19/ker…

Klimafolgen eines Atomkriegs würden den Hungertod für zwei bis fünf Milliarden Menschen bedeuten: https://at.scientists4future.org/2022/08/20/kli…

Atombewaffnung steht im Widerspruch zu nachhaltiger Entwicklung: https://at.scientists4future.org/2022/06/17/ato…

Die militärische Antwort ist die falsche Antwort auf die Krisen unserer Zeit : https://at.scientists4future.org/2022/04/04/die…

Der CO2-Stiefelabdruck des Militärs: 5,5 % der globalen Emissionen: https://at.scientists4future.org/2023/05/15/co2…

Die Klimakosten des Kriegs in Gaza und Israel: https://at.scientists4future.org/2024/01/18/die…

Klimawahlen.at bietet Entscheidungshilfe für die Nationalratswahl am 29.9.

Mit Klimawahlen.at sehen Wähler:innen, welche Parteien echte Klimapolitik voranbringen wollen. Die parteipolitisch unabhängige Initiative der Zukunftsallianz sammelt vor jeder größeren Wahl die Positionen der antretenden Parteien zu diversen klimarelevanten Fragen und ordnet sie ein. Die Ergebnisse werden angezeigt, sobald die Antworten vorhanden sind. Eine Einschätzung erfolgt durch Scientists for Future.

Hier geht es zu den Fragen zur Nationalratswahl 2024.

Mit 1 Klick zu Klima und Nachhaltigkeit – so lautet das Projekt von „Unsere Klimapolitik“ für Gemeinden

Rund sechs Monaten hat es gedauert, alle knapp 2.100 Webseiten der österreichischen Gemeinden nach Klima-Seiten zu durchforsten, berichtet Norbert Porsche-Ully von „Unsere Klimapolitik“. Dabei konnte er feststellen, dass zwar etliche Gemeinden diverse Klimaaktivitäten setzen oder bei Programmen wie e5, KEM oder KLAR! teilnehmen, aber auf ihrer Gemeinde-Homepage kaum bis gar nicht darüber berichten.

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„Verschleppungstaktiken in der Klimapolitik“ – Aufschlussreiches Paper des neuen Klimainstituts „Kontext“ von Katharina Rogenhofer

„Der Werkzeugkoffer für effektiven Klimaschutz liegt bereit. An welchen Stellschrauben gedreht werden muss, ist bekannt und die Dringlichkeit wird immer klarer. Trotzdem werden die notwendigen Entscheidungen hinausgezögert, während sich die Lage verschärft. Kurz: Klimaschutz wird verschleppt. Die Taktiken, die dazu eingesetzt werden, sind vielseitig und oft schwer zu erkennen. Gemeinsam haben sie, dass sie vorhandene Unsicherheiten und berechtigte Sorgen verstärken und mit Desinformation vermischen. Um Handlungsspielraum im Klimaschutz zurückzugewinnen, gilt es, Verschleppungstaktiken zu erkennen und entkräften.“

Ein spannendes Paper des neugegründeten Klimainstituts „Kontext“ von Katharina Rogenhofer und KollegInnen gibt Auskunft darüber, mit welchen Verschleppungstaktiken Klimapolitik verzögert wird und wie dagegen vorgegangen werden kann. Sehr wertvoll!

Verkehrs- und Klimawende in Salzburg –  Den Wahlversprechen müssen Taten folgen

Das Thema Klima- und Verkehrswende ist bei den wahlwerbenden Parteien der Stadt Salzburg angekommen. Diesen Eindruck konnte man bei einer Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative „Platz für Salzburg“ kürzlich in der Arge Kultur gewinnen. Bis auf den Vertreter der FPÖ haben sich alle Spitzenkandidaten – Florian Kreibich (ÖVP), Bernhard Auinger (SPÖ), Anna Schiester (Bürgerliste), Kay-Michael Dankl (KPÖ+), Lukas Rupsch (NEOS) und Christoph Ferch (Salz) für eine Reduzierung des Autoverkehrs in der Stadt und eine Priorisierung des Öffentlichen, Rad- und Fußgängerverkehrs ausgesprochen. Der Bus soll überall den Vorrang vor dem Auto bekommen. Überraschend war auch die Zustimmung aller, wiederum mit Ausnahme der FPÖ, zur Forderung, bis 2035 einen Radverkehrsanteil von mindestens 35 Prozent anzustreben –  aktuell sind es 22 Prozent –  und dafür ein Sonderbudget von 40 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Auch die Neutorsperre für Autos, eine Umlenkung der Reisebusse sowie die Einbindung der Bevölkerung bei Verkehrsplanungen wurden mehrheitlich begrüßt.

„Das Ergebnis und der Verlauf des Abends waren überraschend positiv und konstruktiv“, konstatiert der Moderator und langjährige Umweltjournalist Heinrich Breidenbach. Und weiter: „Ganz offensichtlich ist in die kommunale Politik durchgesickert, dass es so nicht weiter gehen kann und eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik in Richtung Umweltverbund unvermeidlich ist.“ Von der Zustimmung bei einer Diskussionsveranstaltung bis zur Umsetzung in die Realität bleibe freilich ein weiter Weg. Der Anschub durch initiative Bürger und Bürgerinnen sei daher unabdingbar. Aber ein guter Anfang sei gemacht.

Ähnlich positiv war die Einschätzung der Bürgerinitiative „Platz für Salzburg“. Die Stadtpolitik habe eingesehen, dass ein Weiter-so wie bisher keine Option sei, so eine der Sprecherinnen Roswitha Müller. „Die Bereitschaft sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen wurde betont und fußt auf einem Bewusstsein, dass eine Verkehrswende unabdingbar und schnell umgesetzt werden muss.“

Dass die Radwegeinfrastruktur weiter ausgebaut werden müsse, befürworteten auch in einer Umfrage der Radlobby Salzburg alle Parteien (von FPÖ und Salz gab es keine Antworten). Unterschiedlich fielen aber die Ausbauziele aus. Während die Bürgerliste und die KPÖ+ einen Radverkehrsanteil von 30 Prozent bis 2029, dem Ende der nächsten Legislaturperiode, anstreben, nannte die ÖVP die bisher in der Radverkehrsstrategie festgelegten 24 Prozent als Minimalziel, die SPÖ 26 Prozent als machbar. Anders als in der öffentlichen Podiumsdiskussion waren hier die Aussagen zum Radbudget kontrovers. Während die ÖVP und die SPÖ die bisherigen zwei Millionen Euro pro Jahr für ausreichend fanden, schlägt die KPÖ+ eine Verdoppelung, die Bürgerliste eine Erhöhung auf fünf Millionen Euro vor. Die Neos legten sich bei beiden Fragen auf keine Zahl fest.

Klimaschutz ist Thema, aber unterschiedlich akzentuiert

Dass Klimaschutz bei den Parteien der Stadt Salzburg angekommen ist, aber unterschiedlich akzentuiert wird, zeigt auch eine Analyse der Wahlprogramme durch Scientists for Future Salzburg. Der Begriff „Klima“ kommt bei SPÖ und Bürgerliste mit 38 bzw. 29 Nennungen am häufigsten vor. Bei „Nachhaltig“ liegen ÖVP und Bürgerliste voran – beide beziehen sich auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Schwerpunkt in allen Wahlprogrammen ist der Verkehr: Bei den Nennungen zum Öffentlichen Verkehr rangieren wieder SPÖ und  Bürgerliste vorne. Das Rad kommt bei der Bürgerliste am häufigsten vor, gefolgt  von SPÖ und KPÖ+. Letztere ist Spitzenreiter beim Begriff „Leistbares Wohnen“. Von der FPÖ der Stadt Salzburg gibt es kein Wahlprogramm.

„Wie häufig umwelt- und klimarelevante Begriffe genannt werden, lässt zwar noch keine qualitativen Aussagen zu, zeigt aber Akzentuierungen der einzelnen Parteien auf“, heißt es in der Analyse von Scientists for Future. Auffällig sei, dass die ebenfalls klimarelevanten Bereiche Energie, Ernährung und Ressourcen sehr wenig angesprochen werden.  Im Bereich Erneuerbare Energie wird von der Bürgerliste am aktivsten eine verstärkte Rolle der Stadt eingefordert.

Aufschlussreich sind die Argumentationsweisen für Klimapolitik:  Die ÖVP setzt  v.a. auf neue Technologien und „Hausverstand“, „Selbstbeschränkung und Selbstgeißelung“ werden abgelehnt. Betont wird das Miteinander aller Verkehrsträger, auch Maßnahmen für den Straßenverkehr wie der Autobahnanschluss Hagenau werden genannt. Bei der SPÖ und KPÖ+ wird Klimaschutz  insbesondere mit sozialer Gerechtigkeit und Verbesserung der Luft- und Lebensqualität in benachteiligten Stadtteilen verbunden.  Bei der Bürgerliste trägt bereits das erste Kapitel den Begriff „klimafitte Stadt“ im Titel. Höhere Lebensqualität für alle durch mehr Raum für Fußgänger, das Fahrrad und den Öffentlichen Verkehr stehen auch hier im Zentrum.  Bei den NEOS wird die Verkehrswende vor allem mit der Erhöhung der Lebensqualität und der Verringerung der Staus argumentiert.  Die Liste SALZ/Ferch lehnt – wie die SPÖ – den S-Link aufgrund zu hoher Kosten ab, alle anderen sind dafür – ein Streitpunkt könnten aber die oberirdischen Maßnahmen zur Beschränkung des Autoverkehrs werden. Einig ist man sich weitgehend, dass beim Wohnen im Bereich Leerstandsaktivierung und Nachverdichtung mehr geschehen müsse, um knappe Flächen besser zu nutzen.

Die Verkehrs- und Klimawende in der Stadt Salzburg steht an – den Worten müssen Taten folgen

Resümee: Maßnahmen wie der Austausch der verbliebenen Ölheizungen sowie der Ausbau der Fotovoltaik und der ökologischen Fernwärme sind wohl ebenso zu erreichen wie die Forcierung der Wärmedämmung. Die größte Herausforderung in der Stadt Salzburg – zusammenhängend mit dem ganzen Zentralraum – liegt beim Verkehr. Ohne drastische Maßnahmen, den Individualverkehr von der Straße auf den ÖV- und Radverkehrsanteil zu bringen, wird es nicht möglich sein, Klimaneutralität zu erreichen. Stau lässt sich am besten lösen, indem weniger Autos unterwegs sind. Begriffe wie das „Fließen des Verkehrs“ sowie ein „gleichberechtigtes Nebeneinander aller Verkehrsträger“ lassen übersehen, dass die Zurückdrängung des Autos in der Stadt nur mit einer Neuverteilung des knappen Raums zugunsten von Öffentlichem, Rad- und Fußgängerverkehr möglich ist.

Eine Gefahr der Verschleppung von Maßnahmen liegt in zwar ambitionierten, aber für die Politik weit entfernten Klimazielen. „Klimaziele sind als Richtschnur für die Transformation notwendig. Konsequenterweise müssen solche Ziele von konkreten Maßnahmen, etwa einem Umbau des rechtlich-regulatorischen Rahmens und der Steuern und Abgaben, begleitet werden“, so Katharina Rogenhofer vom neugegründeten Klimainstitut „Kontext“. Oft würden jedoch gerade diese verbindlichen Maßnahmen verschleppt oder unverbindliche Ziele als Ausweichargument verwendet. Auch vergangene Erfolge würden manchmal vorgeschoben, um keine weiteren Maßnahmen setzen zu müssen. Dass die Stadt Salzburg Klimaneutralität 2040 anpeile, dürfe nicht zum Aufschieben von Maßnahmen führen, so daher eine Warnung von Scientists for Future: „Klimapolitik darf nicht nebenbei passieren, sondern muss ins Zentrum der politischen Entscheidungen rücken. Ebenso wichtig wäre eine Evaluierung der Politik der letzten Jahre sowie die permanente und kritische Begleitung der Maßnahmen der neuen Regierung. Denn: Den Wahlversprechen müssen Taten folgen.“